Reha im Ernstfall: Bundesärztekammer fordert krisenfeste Versorgungsnetzwerke

Djamal Sadaghiani
Rehabilitationsmedizin stärken: BÄK fordert Netzwerke für Krisenfälle

Die medizinische Rehabilitation gewinnt angesichts einer alternden Gesellschaft und wachsender globaler Krisenszenarien massiv an Relevanz. Um im Ernstfall – etwa bei Naturkatastrophen, Großschadenslagen oder kriegerischen Konflikten – verlässlich handlungsfähig zu sein, braucht das deutsche Gesundheitswesen dringend belastbare, überregionale Kooperationen. Dies betonten Experten und Vertreter der Bundesärztekammer auf der Fachveranstaltung „Reha stärkt Resilienz – Chancen und Herausforderungen einer modernen Rehabilitation“.

Rehabilitation als Schlüssel zur Krisenresilienz

Die Bedeutung von Reha-Kliniken reicht weit über die klassische Anschlussheilbehandlung hinaus. Vor allem in Krisensituationen mit einer hohen Zahl von Schwerverletzten bildet die postakute Weiterbehandlung und Frührehabilitation ein entscheidendes Bindeglied, um Akutkrankenhäuser rasch zu entlasten und Menschen nachhaltig zurück in den Alltag zu begleiten.

Laut Vertretern der Bundesärztekammer erfordert dies einen grundlegenden Ausbau sektorenübergreifender Strukturen. Eine engere Verzahnung zwischen Akutkliniken, spezialisierten Reha-Zentren und politischen Entscheidungsträgern sei unerlässlich, um Kapazitäten flexibel bündeln und steuern zu können.

Demografischer Wandel und geriatrische Versorgung

Neben der Krisenvorsorge treibt vor allem die Demografie den Bedarf an Rehabilitationsleistungen. Eine älter werdende Bevölkerung führt zu einer Zunahme komplexer Krankheitsbilder und Multimorbidität. Experten warnen in diesem Zusammenhang davor, Reha-Strukturen im Zuge aktueller Krankenhausreformen zu schwächen.

  • Frühzeitige Begutachtung: Um Pflegebedürftigkeit vorzubeugen, muss das präventive Potenzial geriatrischer Frührehabilitation intensiver genutzt werden.
  • Bedarfsgerechte Abbildung: Fachärzte mahnen an, dass geriatrische Behandlungen und interdisziplinäre Leistungen in den Vergütungs- und Leistungsgruppen vollständig und realistisch abgebildet bleiben müssen.
  • Fachkräftesicherung: Ein gut qualifiziertes, interprofessionelles Team aus Pflegekräften, Therapeuten und Ärzten ist das unverzichtbare Fundament einer wirksamen Rehabilitation.

Forderung nach bundesweiten Partnerschaften

Für eine zukunftsfähige Ausrichtung brauche es neben Investitionen in die personelle und bauliche Infrastruktur vor allem verbindliche Kooperationsnetzwerke über Bundesländergrenzen hinweg. Nur wenn Notfallmedizin, Akutversorgung und Rehabilitation nahtlos ineinandergreifen, bleibt das Gesundheitssystem sowohl im Alltag als auch in außergewöhnlichen Krisenlagen voll funktionsfähig.

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