Ruf nach nationaler Public-Health-Strategie: BKK fordert Gesundheitswende

Dominik Hübenthal
BKK Dachverband fordert Public-Health-Strategie & Gesundheitsziele

Krankenkassenverband schlägt Alarm: Chronische Erkrankungen auf dem Vormarsch

Die Zahl der chronischen und lebensstilbedingten Erkrankungen in Deutschland nimmt kontinuierlich zu. Angesichts dieser besorgniserregenden Entwicklung fordert der Dachverband der Betriebskrankenkassen (BKK) ein radikales Umdenken in der deutschen Gesundheitspolitik. In einem aktuellen Positionspapier drängt der Verband auf die Etablierung einer nationalen Public-Health-Strategie, die mit verbindlichen Gesundheitszielen untermauert wird.

Laut dem BKK Dachverband reicht es längst nicht mehr aus, lediglich in das bestehende System zu investieren und Krankheiten erst dann zu behandeln, wenn sie bereits aufgetreten sind. Stattdessen müsse der Fokus massiv auf Prävention und Gesundheitsförderung verschoben werden, um das Gesundheitssystem vor dem Kollaps zu bewahren.

Das Prinzip "Health in all policies"

Ein zentraler Baustein der Forderungen ist der sogenannte "Health in all policies"-Ansatz. Dieser sieht vor, dass gesundheitliche Aspekte nicht länger isoliert im Gesundheitsministerium betrachtet, sondern bei allen politischen Entscheidungen zwingend berücksichtigt werden. Dies betrifft unter anderem folgende gesellschaftliche Kernbereiche:

  • Bildung: Stärkung der Gesundheitskompetenz und Prävention bereits in Kitas und Schulen.
  • Umwelt und Verkehr: Schaffung von schadstoffarmen, hitzerobusten und bewegungsfördernden Lebensräumen.
  • Ernährung und Landwirtschaft: Förderung einer gesunden und nachhaltigen Ernährungsweise für die breite Bevölkerung.
  • Arbeitswelt: Gezielte Maßnahmen zum Erhalt der psychischen und physischen Gesundheit von Fachkräften.

Nachhaltigkeit und Resilienz als Grundpfeiler

Das deutsche Gesundheitssystem steht derzeit vor einer beispiellosen Mehrfachbelastung: Der demografische Wandel, ein akuter Fachkräftemangel, massiver wirtschaftlicher Druck und nicht zuletzt die gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels bringen Kliniken und Pflegeeinrichtungen an ihre absoluten Belastungsgrenzen. Eine zukunftsfähige Versorgungsplanung muss daher laut dem BKK Dachverband zwingend ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit vereinen.

Um diese ambitionierten Ziele in die Praxis umzusetzen, sei eine sektorenübergreifende Steuerung unerlässlich. Auch den Kommunen und dem Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) müsse eine deutlich zentralere und besser finanzierte Rolle zugewiesen werden. Nur durch eine konsequente, ressortübergreifende Zusammenarbeit könne es gelingen, die Krankheitslast in der Gesellschaft spürbar zu senken, die allgemeine Lebensqualität zu steigern und gleichzeitig die Finanzierbarkeit des deutschen Gesundheitswesens für kommende Generationen zu sichern.

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