Streit um Hilfsmittel: Geplante Ausschreibungen bedrohen Pflegebedürftige

Djamal Sadaghiani
Hilfsmittel-Ausschreibungen: Experten warnen vor Qualitätsverlust in der Pflege

Ob Rollstühle, Pflegebetten, moderne Wundauflagen oder Inkontinenzprodukte: Für Millionen Pflegebedürftige und deren Angehörige ist eine verlässliche und passgenaue Versorgung mit Hilfsmitteln unverzichtbar für den Alltag. Doch genau dieses Fundament der pflegerischen Versorgung steht aktuell im Bundestag auf dem Prüfstand. Bei einer Anhörung im Gesundheitsausschuss schlagen Branchenvertreter nun Alarm.

Rückkehr zu Ausschreibungen droht Versorgungsqualität zu senken

Im Zentrum der Debatte steht die mögliche Wiedereinführung von Krankenkassen-Ausschreibungen für Hilfsmittel. Was auf dem Papier nach einer Sparmaßnahme für die gesetzliche Krankenversicherung klingt, birgt nach Ansicht von Fachleuten erhebliche Risiken für Betroffene. Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) warnt eindringlich davor, dass ein reiner Preiswettbewerb zu gravierenden Qualitätseinbußen führen würde.

Wie der Verband im Rahmen der parlamentarischen Anhörung betonte, handelt es sich bei der Hilfsmittelversorgung keineswegs um ein reines Produktgeschäft, sondern um ein hochgradig dienstleistungsintensives Segment. Eine individuelle Beratung, fachgerechte Anpassung und schnelle Reparaturen vor Ort seien bei einem extremen Spardruck kaum noch aufrechtzuerhalten.

Gefahr für lokale Versorgungsstrukturen

Die Kritik richtet sich vor allem gegen die drohenden strukturellen Folgen für das Gesundheitssystem:

  • Kahlschlag bei Sanitätshäusern: Kleinere und spezialisierte Sanitätshäuser vor Ort könnten durch bundesweite Billigverträge verdrängt werden.
  • Längere Wartezeiten: Wenn regionale Anbieter wegfallen, drohen bürokratische Hürden und spürbare Verzögerungen bei der Auslieferung dringender Hilfsmittel.
  • Verlust individueller Betreuung: Ein standardisierter Billigversand kann die persönliche Beratung durch geschultes Fachpersonal im häuslichen Umfeld nicht ersetzen.

Pflegebedürftige und Angehörige im Fokus

Für pflegebedürftige Menschen bedeutet ein passendes Hilfsmittel oft das entscheidende Stück Selbstständigkeit und Lebensqualität im eigenen Zuhause. Schlecht sitzende Rollstühle oder unzureichende Pflegehilfen erhöhen nicht nur das Risiko von Folgeschäden wie Druckgeschwüren oder Stürzen, sondern belasten auch pflegende Angehörige zusätzlich.

Experten fordern die Politik daher auf, aus vergangenen Fehlern zu lernen. Frühere Erfahrungen mit rigiden Ausschreibungsverfahren hätten bereits gezeigt, dass massive Beschwerden von Versicherten und Qualitätsmängel die Folge waren. Anstelle eines reinen Preisdiktats müsse das Wohl der Patientinnen und Patienten sowie der Erhalt einer flächendeckenden Vor-Ort-Versorgung an erster Stelle stehen.

Brauchen Sie Unterstützung bei der Pflege?

PflegeHelfer24 ist Ihr verlässlicher Partner. Entdecken Sie unsere Ratgeber oder lassen Sie sich kostenlos zu Pflegehilfsmitteln, Treppenliften und Zuschüssen beraten.