Zettelwirtschaft ade: Krankenhäuser testen die digitale Packungsbeilage
Das Rascheln des meterlangen Beipackzettels könnte in deutschen Krankenhäusern bald der Vergangenheit angehören. Ein wegweisendes Pilotprojekt bereitet aktuell den Boden für einen tiefgreifenden digitalen Wandel im stationären Bereich: Die gedruckte Packungsbeilage soll durch eine moderne, digitale Patienteninformation ersetzt werden. Das sogenannte „diGItal-Pilotprojekt“ nimmt dabei eine zentrale Rolle ein und markiert einen wichtigen Schritt in der Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens.
EU-Pharmapaket als Wegbereiter
Möglich wird dieser Fortschritt durch das neue EU-Pharmapaket, welches die rechtlichen und strukturellen Rahmenbedingungen für digitale Patienteninformationen in der Europäischen Union schafft. Laut dem Bundesgesundheitsministerium und der EU-Kommission, die das Projekt ausdrücklich unterstützen, stehen Patientensicherheit und eine zeitgemäße Informationsvermittlung an erster Stelle. Ab dem dritten Quartal 2026 werden die ersten Medikamentenpackungen ohne den traditionellen Papierzettel in den teilnehmenden Kliniken erwartet. Dann wird im Stationsalltag evaluiert, wie sich die rein digitale Bereitstellung der Informationen auf die Versorgungsqualität auswirkt.
Erfolgreiche Vorbilder in Europa
Dass der Verzicht auf gedruckte Beipackzettel im stationären Umfeld reibungslos funktionieren kann, haben bereits Pilotvorhaben in 14 anderen europäischen Ländern bewiesen. Dort konnte gezeigt werden, dass die Versorgung der Patienten in keiner Weise beeinträchtigt wird. Nun soll geprüft werden, wie sich diese positiven Erfahrungswerte auf die spezifische Versorgungssituation in Deutschland übertragen lassen.
Breite Unterstützung aus der Industrie
Hinter der Initiative steht ein starkes Bündnis der pharmazeutischen Industrie. Initiiert wurde das Vorhaben von den großen Herstellerverbänden, darunter Pharma Deutschland, der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI), Pro Generika und der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa). Die operative Umsetzung übernimmt das gemeinsame Tochterunternehmen ACS PharmaProtect. Dabei greifen die Verantwortlichen auf die wertvollen Vorarbeiten der Initiative „Gebrauchsinformation 4.0“ zurück, die bereits seit 2016 existiert und stetig weiterentwickelt wurde.
Vorteile für Pflegekräfte und den Klinikalltag
Für den Pflege- und Klinikalltag bietet die Digitalisierung der Medikamenteninformationen immense Vorteile. Pflegekräfte und Ärzte können über strukturierte digitale Darstellungen wesentlich schneller und gezielter auf aktuelle Warnhinweise, Dosierungsempfehlungen oder Wechselwirkungen zugreifen. Im Gegensatz zum starren Papierformat lassen sich digitale Informationen in Echtzeit aktualisieren – ein entscheidender Faktor für die Arzneimitteltherapiesicherheit.
Mit dem Startschuss im Spätsommer 2026 wird sich zeigen, ob die digitale Packungsbeilage auch in deutschen Krankenhäusern den Praxistest besteht. Gelingt der Krankenhauspilot, könnte dies langfristig nicht nur den stationären Alltag erleichtern, sondern auch enorme Mengen an Papier einsparen und den Weg für weitere digitale Innovationen in der Pflege ebnen.
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