Die Diagnose einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) verändert den Alltag von Betroffenen und ihren pflegenden Angehörigen grundlegend. Im Volksmund oft verharmlosend als Schaufensterkrankheit bezeichnet, verbirgt sich hinter diesem Begriff eine ernstzunehmende Durchblutungsstörung der Beine und Füße. Durch verengte oder blockierte Arterien wird das Gewebe in den unteren Extremitäten nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und essenziellen Nährstoffen versorgt. Diese Unterversorgung hat weitreichende Folgen, insbesondere für die Haut und die Wundheilung.
Bei einer gesunden Durchblutung heilt ein kleiner Kratzer, eine leichte Druckstelle vom Schuh oder ein winziger Riss in der Haut innerhalb weniger Tage fast unbemerkt ab. Bei einer fortgeschrittenen pAVK hingegen kann genau diese Bagatellverletzung der Ausgangspunkt für ein monatelanges, schmerzhaftes Leiden sein. Weil dem Gewebe die "Baustoffe" zur Reparatur fehlen, können sich aus kleinsten Verletzungen schnell chronische Wunden, tiefe Geschwüre (Ulzera) oder gar absterbendes Gewebe (Nekrosen) entwickeln. Im schlimmsten Fall droht eine Amputation.
Genau hier setzt die tägliche, präventive Fuß- und Beinpflege an. Sie ist keine bloße kosmetische Maßnahme, sondern eine lebenswichtige medizinische Notwendigkeit. Eine konsequente, schonende und aufmerksame Pflegeroutine ist der wirksamste Schutz vor schwerwiegenden Komplikationen. In diesem umfassenden Ratgeber erfahren Sie Schritt für Schritt, wie Sie die Füße und Beine bei pAVK im Pflegealltag optimal versorgen, welche Fehler Sie unbedingt vermeiden müssen und wann professionelle Hilfe unerlässlich ist.
Um die Wichtigkeit der täglichen Pflege nachvollziehen zu können, ist es hilfreich, die Vorgänge im Körper zu verstehen. Die pAVK wird meist durch Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) verursacht. Ablagerungen aus Blutfetten, Blutgerinnseln und Kalk verengen die Blutgefäße, die das Blut vom Herzen in die Beine transportieren. Je nach Schweregrad wird die Erkrankung in vier Stadien (nach Fontaine) eingeteilt:
Stadium I: Die Verengung ist bereits vorhanden, verursacht aber noch keine Schmerzen.
Stadium II: Schmerzen treten beim Gehen auf und zwingen zu Pausen (daher der Begriff Schaufensterkrankheit).
Stadium III: Die Schmerzen treten bereits in Ruhe auf, besonders nachts im Liegen, wenn die Schwerkraft den Blutfluss in die Beine nicht mehr unterstützt.
Stadium IV: Das Gewebe ist so stark unterversorgt, dass es zu offenen Wunden (Ulcus cruris arteriosum) oder absterbendem Gewebe kommt.
Bereits ab Stadium II verändert sich die Beschaffenheit der Haut an Füßen und Beinen spürbar. Durch die mangelnde Durchblutung produzieren die Talg- und Schweißdrüsen weniger Feuchtigkeit. Die Haut wird extrem trocken, pergamentartig, schuppig und verliert ihre natürliche Elastizität. Es entstehen mikroskopisch kleine Risse (Rhagaden), durch die Bakterien und Pilze ungehindert eindringen können. Gleichzeitig ist die lokale Immunabwehr an den Füßen geschwächt. Eine Infektion kann vom Körper kaum noch aus eigener Kraft bekämpft werden.
Zusätzlich leiden viele Senioren mit pAVK gleichzeitig an Diabetes mellitus. Dies führt oft zu einer begleitenden Polyneuropathie (Nervenschädigung). Das bedeutet: Der Patient spürt Schmerzen, Druck oder extreme Temperaturen (wie zu heißes Wasser) nicht mehr rechtzeitig. Eine gefährliche Kombination, da Verletzungen so nicht nur schlecht heilen, sondern oft erst sehr spät überhaupt bemerkt werden.
Der wichtigste Schritt der Fußpflege bei pAVK kostet kein Geld und dauert nur wenige Minuten: die tägliche, genaue Inspektion der Füße und Beine. Diese Kontrolle sollte zu einem festen Ritual werden, idealerweise abends beim Ausziehen der Strümpfe oder morgens vor dem Aufstehen.
Wenn Sie als Angehöriger die Pflege übernehmen, setzen Sie sich in eine gut beleuchtete Position. Wenn der Betroffene die Inspektion selbst durchführt und in seiner Beweglichkeit eingeschränkt ist, empfiehlt sich die Nutzung eines Handspiegels oder eines speziellen Teleskopspiegels, um auch die Fußsohlen problemlos betrachten zu können.
Achten Sie bei der täglichen Kontrolle auf folgende Warnsignale:
Hautverfärbungen: Blasse, bläuliche oder tiefrote Stellen an den Zehen oder Fersen deuten auf akute Durchblutungsstörungen oder beginnende Druckstellen hin.
Druckstellen und Blasen: Selbst kleinste Rötungen, die nach dem Ausziehen der Schuhe nicht innerhalb von 15 Minuten verschwinden, sind ein Alarmzeichen.
Hautrisse (Rhagaden): Besonders an den Fersen entstehen bei trockener Haut schnell tiefe Risse.
Zehenzwischenräume: Kontrollieren Sie diese Bereiche auf weißliche, aufgeweichte Haut oder kleine Risse. Dies sind klassische Anzeichen für Fußpilz (Tinea pedis), der eine Eintrittspforte für gefährliche Bakterien (z.B. Auslöser der Wundrose) darstellt.
Veränderungen der Nägel: Eingewachsene Nägel, Verdickungen oder Verfärbungen (Hinweis auf Nagelpilz).
Temperaturunterschiede: Fühlt sich ein Fuß deutlich kälter an als der andere? Das kann auf einen akuten Gefäßverschluss hindeuten. Fühlt sich eine Stelle extrem warm an? Dies spricht für eine Entzündung.
Wichtig: Wenn Sie bei der Inspektion eine offene Stelle, eine Blase oder eine unerklärliche Rötung entdecken, versuchen Sie niemals, diese selbst mit Hausmitteln zu behandeln. Kontaktieren Sie umgehend den behandelnden Hausarzt oder einen Facharzt für Gefäßmedizin (Angiologen).
Die tägliche Kontrolle der Füße ist im Pflegealltag besonders wichtig.
Hygiene ist entscheidend, doch bei der Reinigung der Füße werden im Pflegealltag oft gravierende Fehler gemacht. Die Haut von pAVK-Patienten verzeiht weder zu heißes Wasser noch aggressive Seifen.
Verzichten Sie auf ausgedehnte Fußbäder. Langes Einweichen entzieht der ohnehin schon trockenen Haut wertvolle Fette und weicht die Hautbarriere auf (Mazeration), was das Eindringen von Keimen begünstigt. Ein Fußbad sollte maximal 3 bis 5 Minuten dauern.
Die Wassertemperatur ist ein kritischer Faktor. Da das Temperaturempfinden bei Senioren oft eingeschränkt ist, besteht bei zu heißem Wasser akute Verbrühungsgefahr. Das Wasser darf maximal 37 Grad Celsius (Körpertemperatur) warm sein. Verlassen Sie sich niemals auf das Gefühl Ihrer Hände, sondern verwenden Sie stets ein Badethermometer, um die Temperatur exakt zu kontrollieren.
Verzichten Sie auf stark parfümierte Seifen, Schaumbäder oder aggressive Duschgele. Diese zerstören den natürlichen Säureschutzmantel der Haut. Verwenden Sie stattdessen:
Milde, pH-hautneutrale Waschlotionen (pH-Wert um 5,5).
Rückfettende medizinische Ölbäder in geringer Dosierung.
Verzichten Sie auf Zusätze wie Kamille oder Teebaumöl, da diese die Haut austrocknen oder allergische Reaktionen auslösen können.
Nach dem Waschen ist das Trocknen ein entscheidender Schritt. Die nasse Haut ist besonders empfindlich gegen mechanische Reibung.
Tupfen statt Rubbeln: Verwenden Sie ein weiches, sauberes Handtuch und tupfen Sie die Haut sanft ab. Starkes Rubbeln kann die dünne Haut sofort verletzen.
Fokus auf die Zehenzwischenräume: Diese Bereiche müssen absolut trocken sein. Verbleibende Feuchtigkeit bildet ein ideales Mikroklima für Pilze und Bakterien. Wenn das Abtrocknen mit dem Handtuch schwerfällt oder schmerzhaft ist, können Sie auch ein Kosmetiktuch verwenden oder die Zehenzwischenräume mit einem Föhn auf der kältesten Stufe (niemals warm oder heiß!) aus sicherer Entfernung trockenpusten.
Trocknen Sie die Zehenzwischenräume nach dem Waschen immer besonders sorgfältig ab.
Da die Haut bei pAVK nicht mehr in der Lage ist, sich selbst ausreichend zu fetten und feucht zu halten, müssen Sie diese Aufgabe durch tägliches Eincremen übernehmen. Eine intakte, geschmeidige Haut ist der beste Schutz gegen Risse und Infektionen.
Normale Körperlotionen aus der Drogerie sind oft zu wasserhaltig und enthalten Parfüm oder Konservierungsstoffe, die die Haut reizen. Ideal sind spezielle Fußschäume oder Cremes aus der Apotheke, die auf die Bedürfnisse extrem trockener Haut abgestimmt sind. Achten Sie auf folgende Inhaltsstoffe:
Urea (Harnstoff): Ein natürlicher Feuchthaltefaktor. Cremes mit 5 bis 10 Prozent Urea binden die Feuchtigkeit in der Haut und machen Verhornungen weich. Hinweis: Bei offenen Wunden darf Urea nicht angewendet werden, da es brennt.
Lipide (Fette): Hochwertige Öle wie Jojobaöl, Mandelöl oder Nachtkerzenöl stärken die Hautbarriere.
Ceramide: Helfen, die Zellstruktur der Haut zu reparieren.
Besonders empfehlenswert sind Cremeschäume. Sie lassen sich sehr leicht und ohne Druck auf der Haut verteilen, ziehen extrem schnell ein und hinterlassen keinen rutschigen Fettfilm, was das Sturzrisiko nach dem Eincremen minimiert.
Tragen Sie die Creme großzügig auf Fußsohle, Ferse, Fußrücken und Unterschenkel auf. Massieren Sie die Creme mit sanften, streichenden Bewegungen in Richtung des Herzens ein. Das fördert den venösen Rückfluss und empfinden viele Senioren als sehr angenehm.
Die wichtigste Ausnahme: Die Zehenzwischenräume dürfen niemals eingecremt werden! Die Haut liegt hier eng aneinander. Creme würde sich hier stauen, die Haut aufweichen (Mazeration) und unweigerlich zu Pilzinfektionen führen.
Die Pflege der Zehennägel ist bei pAVK-Patienten eine der größten Gefahrenquellen im häuslichen Pflegealltag. Ein kleiner Schnitt mit der Nagelschere in die Nagelfalz reicht aus, um eine fatale Infektionskette in Gang zu setzen.
Verwenden Sie bei Durchblutungsstörungen der Beine niemals spitze Nagelscheren, Nagelknipser oder gar Zangen. Die Verletzungsgefahr durch abrutschende Werkzeuge oder das versehentliche Einklemmen der Haut ist schlichtweg zu groß. Zudem quetschen Knipser den Nagel oft, was zu feinen Rissen im Nagelbett führen kann.
Die sicherste Methode, um die Nägel zu kürzen, ist die ausschließliche Verwendung einer Feile. Nutzen Sie am besten eine Glasfeile oder eine feine Sandblattfeile. Metallfeilen sind oft zu grob und können den Nagel aufrauen.
Gerade feilen: Feilen Sie den Nagel immer gerade ab. Die Ecken dürfen nicht rund in das Nagelbett hineingefeilt werden. Wenn Sie die Ecken herausschneiden oder -feilen, wächst der Nagel mit hoher Wahrscheinlichkeit ein (Unguis incarnatus), was extrem schmerzhaft ist und schwere Entzündungen hervorruft.
Kanten glätten: Nach dem geraden Kürzen können Sie die scharfen Ecken lediglich minimal abrunden, damit sie nicht in die benachbarten Zehen stechen oder die Socken beschädigen.
Nagelhaut nicht schneiden: Die Nagelhaut schützt die empfindliche Nagelwurzel vor Bakterien. Schneiden Sie diese niemals ab. Schieben Sie sie höchstens nach dem Waschen (wenn sie weich ist) ganz vorsichtig mit einem abgerundeten Holzstäbchen oder einem feuchten Wattestäbchen zurück.
Verwenden Sie zur schonenden Nagelpflege bei pAVK ausschließlich eine Feile.
Trotz größter Sorgfalt stoßen pflegende Angehörige oft an ihre Grenzen. Wenn die Nägel stark verdickt sind (Holznägel), starker Hornhautbefall vorliegt oder die Sehkraft und Beweglichkeit des Betroffenen stark eingeschränkt sind, gehört die Fußpflege in professionelle Hände.
Hier ist es extrem wichtig, zwischen der kosmetischen Fußpflege und der medizinischen Fußpflege (Podologie) zu unterscheiden. Ein kosmetisches Fußpflegestudio ist für gesunde Füße gedacht. Bei einer pAVK benötigen Sie zwingend einen staatlich geprüften Podologen oder eine Podologin. Diese Fachkräfte haben eine mehrjährige medizinische Ausbildung absolviert, arbeiten unter strengsten hygienischen Bedingungen (sterilisierte Instrumente) und sind speziell in der Behandlung von Risikopatienten geschult.
Eine sehr gute Nachricht für Betroffene: Seit dem 1. Juli 2020 hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) die Heilmittel-Richtlinie angepasst. Zuvor erhielten oft nur Diabetiker ein Rezept für die Podologie. Mittlerweile haben auch Patienten mit einem diabetischen Fußsyndrom vergleichbaren Schädigungen Anspruch auf eine Verordnung.
Konkret bedeutet das: Wenn eine pAVK ab Stadium III vorliegt oder eine krankhafte Nervenschädigung (Neuropathie) diagnostiziert wurde, kann der behandelnde Arzt eine Heilmittelverordnung für die medizinische Fußpflege ausstellen.
Die Kosten: Liegt eine ärztliche Verordnung vor, übernimmt die gesetzliche Krankenkasse den Großteil der Kosten. Der Patient muss lediglich die gesetzliche Zuzahlung leisten. Diese beträgt in der Regel 10 Prozent der Behandlungskosten plus 10 Euro Verordnungsblattgebühr pro Rezept. Wenn der Patient eine Zuzahlungsbefreiung (wegen Erreichens der Belastungsgrenze) besitzt, entfallen diese Kosten komplett.
Weitere offizielle und verifizierte Informationen zu den Voraussetzungen für podologische Behandlungen finden Sie auf dem unabhängigen Portal des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): gesundheitsinformation.de.
Die Kleidung, die direkt auf der Haut aufliegt, spielt eine entscheidende Rolle bei der Prävention von Wunden. Falsche Socken können den Blutfluss weiter abschnüren oder durch Reibung Blasen verursachen.
Verzichten Sie auf synthetische Materialien wie reines Polyester oder Nylon. Diese Stoffe lassen die Haut nicht atmen, fördern die Schweißbildung und stauen die Wärme, was Pilzinfektionen begünstigt. Optimal sind:
100 % Baumwolle: Sie ist weich, atmungsaktiv und kann bei hohen Temperaturen gewaschen werden.
Bambusviskose: Dieses Material ist extrem weich, nimmt Feuchtigkeit hervorragend auf und hat von Natur aus leicht antibakterielle Eigenschaften.
Silberfäden: Spezielle Socken mit eingewebten Silberfäden wirken antibakteriell und geruchshemmend, ideal bei erhöhter Infektionsgefahr.
Die wichtigste Regel bei Socken für pAVK-Patienten lautet: Nichts darf einschnüren!
Kontrollieren Sie die Bündchen der Socken. Wenn diese beim Ausziehen tiefe, rote Rillen in der Haut am Unterschenkel oder Knöchel hinterlassen, sind sie zu eng. Ein zu enges Gummi wirkt wie ein Stauschlauch und drosselt die ohnehin schon schwache arterielle Durchblutung noch weiter. Greifen Sie zu speziellen Diabetikersocken oder Venensocken. Diese kommen komplett ohne drückendes Gummibündchen aus und rutschen durch eine spezielle Stricktechnik dennoch nicht.
Achten Sie zudem auf die Nähte. Eine dicke Naht im Zehenbereich führt in engen Schuhen unweigerlich zu Druckstellen. Kaufen Sie Socken mit handgekettelten Nähten, die völlig flach sind, oder ziehen Sie herkömmliche Socken im Zweifel einfach auf links an, sodass die Naht außen liegt.
Hygiene: Wechseln Sie die Socken täglich. Waschen Sie diese idealerweise bei 60 Grad Celsius, um Bakterien und Pilzsporen zuverlässig abzutöten.
Schuhe sind die häufigste Ursache für Fußwunden bei Durchblutungsstörungen. Ein zu enger Schuh, eine harte Kante oder ein Fremdkörper im Schuh können innerhalb weniger Stunden verheerende Schäden anrichten.
Kaufen Sie neue Schuhe niemals am Vormittag. Im Laufe des Tages schwellen die Füße bei fast jedem Menschen leicht an. Ein Schuh, der morgens perfekt passt, kann am späten Nachmittag bereits quetschen. Probieren Sie Schuhe immer am Nachmittag oder frühen Abend an.
Der ideale Schuh für pAVK-Patienten erfüllt folgende Kriterien:
Weiches Obermaterial: Echtes, weiches Leder oder flexible Hightech-Materialien, die sich der Fußform anpassen und nicht drücken.
Viel Platz für die Zehen: Die Zehenkappe muss hoch und breit genug sein. Die Zehen dürfen beim Gehen nicht vorne anstoßen und müssen sich frei bewegen können.
Keine inneren Nähte: Fahren Sie beim Schuhkauf mit der Hand das komplette Innere des Schuhs ab. Es dürfen keine harten Nähte, Kanten oder Klebereste spürbar sein.
Fester Halt: Der Schuh darf nicht schlappen. Ein guter Halt an der Ferse (durch eine stabile Fersenkappe) und verstellbare Verschlüsse (Klettverschluss oder Schnürung) sind essenziell, um Reibung durch Hin- und Herrutschen zu vermeiden.
Bei fortgeschrittener pAVK oder bereits verformten Füßen (z.B. Hallux valgus oder Krallenzehen) reichen Konfektionsschuhe oft nicht mehr aus. In diesem Fall kann der Arzt orthopädische Maßschuhe oder spezielle Diabetiker-Schutzschuhe (die auch bei pAVK verordnet werden können) sowie weichpolsternde Einlagen verschreiben. Diese Hilfsmittel entlasten gefährdete Stellen und verteilen den Druck beim Gehen gleichmäßig.
Gewöhnen Sie sich und dem Pflegebedürftigen an, jeden Schuh vor dem Anziehen zu kontrollieren. Greifen Sie mit der Hand tief in den Schuh. Suchen Sie nach kleinen Steinchen, hochgerollten Einlegesohlen, Rissen im Innenfutter oder vergessenen Gegenständen. Was für einen gesunden Menschen nur ein leichtes Pieksen ist, kann bei vermindertem Schmerzempfinden zu einem tiefen Geschwür führen, weil der Patient stundenlang auf dem Fremdkörper läuft.
Kontrollieren Sie die Schuhe vor jedem Tragen auf mögliche Fremdkörper.
Neben der aktiven Pflege gibt es einige Verhaltensweisen, die bei arteriellen Durchblutungsstörungen strikt verboten sind, da sie das Risiko für Gewebeschäden drastisch erhöhen.
Laufen Sie niemals barfuß – weder im Garten, noch am Strand, und idealerweise auch nicht in der eigenen Wohnung. Die Gefahr, in eine Reißzwecke, eine Glasscherbe oder einen spitzen Stein zu treten, ist zu groß. Zudem besteht in Schwimmbädern oder Hotelzimmern eine extrem hohe Ansteckungsgefahr für Fußpilz. Tragen Sie im Haus immer geschlossene, rutschfeste Hausschuhe.
Senioren mit pAVK leiden oft unter chronisch kalten Füßen. Der Impuls, diese mit einer Wärmflasche, einem Heizkissen oder einem Fußbad heiß aufzuwärmen, ist verständlich, aber hochgefährlich. Durch die oft begleitende Neuropathie wird die Hitze nicht richtig gespürt. Zudem kann das schlecht durchblutete Gewebe die zugeführte Wärme nicht über das Blut abtransportieren. Die Folge sind schwerste Verbrennungen (bis hin zu Verbrennungen 3. Grades), die fast nie ohne Komplikationen heilen. Ziehen Sie zum Aufwärmen dicke, weiche Wollsocken aus Alpakawolle oder Schurwolle an. Diese isolieren die körpereigene Wärme sicher und ohne Verbrennungsrisiko.
Das Übereinanderschlagen der Beine (die sogenannte "Schneider-Sitzhaltung" auf dem Stuhl) klemmt die Blutgefäße in der Kniekehle ab. Bei einer gesunden Person führt dies höchstens zu einem Kribbeln. Bei pAVK wird die ohnehin schon kritische Blutzufuhr in die Unterschenkel und Füße dadurch massiv behindert. Gewöhnen Sie sich an, beide Füße flach auf den Boden zu stellen.
Auch wenn es nicht zur direkten Fußpflege gehört, muss es erwähnt werden: Nikotin verengt die Blutgefäße akut und beschleunigt die Arteriosklerose massiv. Ein absoluter Rauchstopp ist die wichtigste medizinische Maßnahme, um das Fortschreiten der pAVK aufzuhalten und die Durchblutung der Beine zu erhalten.
Dicke Wollsocken wärmen kalte Füße sicher und ohne jegliches Verbrennungsrisiko.
Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen kann es passieren: Sie entdecken einen kleinen Riss, eine aufgescheuerte Blase oder einen Kratzer am Fuß. In diesem Moment ist schnelles und vor allem richtiges Handeln gefragt.
Verbotene Maßnahmen:
Verwenden Sie keine aggressiven Desinfektionsmittel wie Jodsalben, hochprozentigen Alkohol oder Wasserstoffperoxid. Diese zerstören neues, sich bildendes Gewebe.
Verzichten Sie auf Hausmittel wie Kamillenbäder, Heilsalben, Zinkpasten oder gar Puder. Diese verkleben die Wunde, trocknen sie aus und bilden einen Nährboden für Bakterien.
Kleben Sie niemals ein normales, stark haftendes Pflaster direkt auf die empfindliche Haut. Beim Abziehen des Pflasters reißen Sie oft die angrenzende, dünne Haut mit ab, wodurch die Wunde sofort vergrößert wird.
Richtige Maßnahmen:
Spülen Sie die Wunde, wenn überhaupt, nur mit steriler Kochsalzlösung (aus der Apotheke) aus.
Decken Sie die Wunde mit einer sterilen Kompresse ab.
Fixieren Sie die Kompresse nicht mit Klebepflaster auf der Haut, sondern nutzen Sie eine weiche Mullbinde oder einen Schlauchverband, um die Kompresse am Fuß zu halten.
Suchen Sie umgehend einen Arzt auf. Bei pAVK ist jede noch so kleine Wunde ein medizinischer Notfall, der von einem Profi begutachtet werden muss. Der Arzt wird entscheiden, ob ein modernes Wundmanagement (z.B. mit hydroaktiven Wundauflagen) oder eine Antibiose notwendig ist.
Erhalten Sie monatlich zuzahlungsfreie Pflegehilfsmittel wie Einmalhandschuhe, Desinfektionsmittel und saugende Bettschutzeinlagen im Wert von 40 Euro. Ideal für die hygienische Versorgung und Infektionsprävention bei pAVK.
Pflegebox anfordern
Die tägliche, akribische Fuß- und Beinpflege erfordert Zeit, Geduld und körperliche Beweglichkeit. Wenn Senioren nicht mehr in der Lage sind, ihre Füße selbst zu erreichen, und Angehörige durch Beruf oder eigene gesundheitliche Einschränkungen überlastet sind, ist professionelle Unterstützung unerlässlich.
Die Unterstützung bei der Körperpflege – wozu auch das Waschen, Abtrocknen und Eincremen der Füße gehört – ist Teil der sogenannten Grundpflege. Wenn der Betroffene in seiner Alltagskompetenz eingeschränkt ist, sollte unbedingt ein Pflegegrad bei der Pflegekasse beantragt werden. Bereits ab Pflegegrad 2 haben Sie Anspruch auf erhebliche finanzielle Leistungen.
Mit den Pflegesachleistungen (bei Pflegegrad 2 beispielsweise bis zu 761 Euro monatlich) können Sie einen ambulanten Pflegedienst beauftragen. Die professionellen Pflegekräfte kommen dann täglich zu Ihnen nach Hause, übernehmen die fachgerechte Reinigung, Inspektion und das Eincremen der Füße und erkennen drohende Wunden sofort.
In fortgeschrittenen Stadien der pAVK, wenn vielleicht schon offene Wunden bestehen, die Mobilität stark eingeschränkt ist und nachts Ruheschmerzen auftreten, reicht ein kurzer Besuch des ambulanten Dienstes oft nicht mehr aus. Hier bietet eine 24-Stunden-Pflege enorme Sicherheit. Die Betreuungskraft lebt mit im Haushalt, kann bei der täglichen Hygiene unterstützen, auf das richtige Schuhwerk achten, beim Anziehen der Socken helfen und vor allem sicherstellen, dass gefährliche Situationen (wie das Herumlaufen ohne Schuhe oder das Nutzen von Wärmflaschen) vermieden werden.
Um die Durchblutung nicht zusätzlich durch Stürze oder Stöße zu gefährden, sollten Stolperfallen im Haus beseitigt werden. Ein Hausnotruf bietet Sicherheit, falls es doch zu einem Sturz kommt. Wenn das Treppensteigen aufgrund der Schaufensterkrankheit zur Qual wird, kann ein Treppenlift den Alltag massiv erleichtern und die Beine schonen. Auch für diese Hilfsmittel gibt es bei vorliegendem Pflegegrad Zuschüsse von der Pflegekasse (z.B. bis zu 4.000 Euro für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen wie den Treppenlift oder einen barrierefreien Badumbau, der die Fußpflege unter der Dusche sicherer macht).
Um Ihnen den Pflegealltag zu erleichtern, fassen wir die wichtigsten Schritte der täglichen Routine noch einmal als kompakte Checkliste zusammen. Drucken Sie sich diese Punkte gerne aus und legen Sie sie griffbereit ins Badezimmer:
Inspektion: Täglich Füße, Fersen und Zehenzwischenräume auf Rötungen, Risse und Blasen prüfen (Spiegel nutzen!).
Waschen: Maximal 3 bis 5 Minuten bei höchstens 37 Grad Celsius (Badethermometer verwenden!).
Seife: Nur milde, pH-neutrale Waschlotionen nutzen.
Trocknen: Füße sanft abtupfen, nicht rubbeln. Zehenzwischenräume extrem sorgfältig trocknen (ggf. kalt föhnen).
Eincremen: Täglich mit einer Urea-haltigen Creme oder Schaum pflegen. Zehenzwischenräume unbedingt aussparen!
Nägel: Nur mit einer Glasfeile gerade feilen. Nicht schneiden, knipsen oder in die Ecken feilen.
Socken: Täglich frische, atmungsaktive Socken ohne drückendes Gummibündchen und ohne dicke Nähte anziehen.
Schuhe: Vor jedem Anziehen mit der Hand das Innere auf Fremdkörper und Risse abtasten.
Wärme: Niemals Wärmflaschen oder Heizkissen verwenden. Warme Wollsocken sind die sichere Alternative.
Notfall: Bei jeder noch so kleinen Wunde sofort einen Arzt kontaktieren. Keine Selbstmedikation!
Die tägliche Fuß- und Beinpflege bei pAVK mag auf den ersten Blick wie eine aufwendige Routine erscheinen. Doch sie ist das effektivste Werkzeug, das Ihnen zur Verfügung steht, um schwerwiegende Komplikationen, chronische Schmerzen und Krankenhausaufenthalte zu vermeiden. Indem Sie der Haut Feuchtigkeit spenden, Verletzungsgefahren durch falsches Schuhwerk oder scharfe Nagelscheren ausschließen und kleinste Veränderungen durch tägliche Inspektion sofort erkennen, schützen Sie die Beine vor dauerhaften Schäden.
Scheuen Sie sich nicht, ärztliche Hilfe, podologische Fachkräfte und Pflegedienste in Anspruch zu nehmen. Die Pflegekassen bieten durch den Pflegegrad weitreichende finanzielle Unterstützung, um Ihnen den Pflegealltag zu erleichtern. Mit der richtigen Routine, Aufmerksamkeit und professioneller Unterstützung können Betroffene mit pAVK ihre Mobilität und Lebensqualität noch lange erhalten.
Wichtige Antworten für Betroffene und pflegende Angehörige