Digitales Schutznetz: Wie das Projekt TelePIN schwerkranken Kindern hilft

Dominik Hübenthal
TelePIN: Neues Telemedizin-Netzwerk rettet schwerkranke Kinder

In der medizinischen Betreuung von schwerstkranken Kindern zählt oft jede Minute. Doch der anhaltende Mangel an spezialisierten Pflegefachkräften und Fachärzten stellt viele Kliniken vor enorme Herausforderungen. Um dieser kritischen Lage wirksam zu begegnen, geht in Niedersachsen und Bremen das wegweisende telemedizinische Netzwerk „TelePIN“ in die Umsetzung. Entwickelt von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), soll das System modernste intensivmedizinische Expertise auch in kleinere Krankenhäuser der Region bringen.

Fachkräftemangel trifft Kinderintensivstationen hart

Die Ausgangslage in der pädiatrischen Intensivversorgung ist angespannt: Von insgesamt 29 Kinderkliniken in Niedersachsen verfügen derzeit nur vier über eine eigenständige pädiatrische Intensivstation. Doch selbst an diesen spezialisierten Zentren kann derzeit aufgrund des spürbaren Personalmangels nur rund die Hälfte der Intensivbetten betrieben werden. Kleinere Krankenhäuser geraten bei lebensbedrohlich erkrankten Kindern schnell an personelle und fachliche Kapazitätsgrenzen.

Spezialwissen in Echtzeit: Wie TelePIN funktioniert

Das digitale Versorgungssystem baut auf dem langjährigen Pädiatrischen Intensivnetzwerk (PIN) auf und erweitert dieses um eine hochmoderne digitale Infrastruktur. Kern des Projekts ist eine Kombination aus hochauflösender audiovisueller Übertragung und einem integrierten Patientendatenmanagementsystem.

Das System ermöglicht eine unmittelbare Zusammenarbeit im Klinikalltag:

  • Gemeinsame Live-Visiten: Behandlungsteams vor Ort können per Video- und Audioschaltung gemeinsam mit Intensivmedizinern der MHH Patienten untersuchen.
  • Echtzeit-Datenaustausch: Vitalwerte, Laborbefunde und Bildgebungen werden datenschutzkonform und verzögerungsfrei an die Spezialisten übermittelt.
  • Gezielte Therapiebegleitung: Behandlungsentscheidungen können im Konsil getroffen werden, ohne dass Patientinnen und Patienten sofort verlegt werden müssen.
  • Vermeidung von Risikotransporten: Belastende und riskante Transporte von Intensivpatienten in weit entfernte Spezialkliniken lassen sich auf das absolut Notwendige reduzieren.

Millionenförderung für 15 Kinderkliniken

Um die Technik flächendeckend einzusetzen, werden insgesamt 15 niedersächsische Kinderkliniken mit Mitteln aus dem Krankenhaus-Strukturfonds in Höhe von rund sechs Millionen Euro unterstützt, die jeweils zur Hälfte von Bund und Land finanziert werden.

Wie die Initiatoren der Medizinischen Hochschule Hannover betonen, geht es bei TelePIN darum, Wissen dorthin zu transportieren, wo das Kind liegt – nicht umgekehrt. Gerade mit Blick auf anstehende Strukturreformen im Gesundheitswesen zeigt das Netzwerk, wie Digitalisierung und Telemedizin die Versorgungsqualität von kleinen Patienten nachhaltig sichern können.

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