Kritik im Gesundheitsausschuss: Warnung vor Sparplänen bei Krebstherapien und Digital-Apps
In der gesundheitspolitischen Debatte um die Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung droht neuer Konfliktstoff. Im Rahmen einer Anhörung im Gesundheitsausschuss des Bundestages stehen geplante Einsparmaßnahmen im Fokus der Kritik. Insbesondere zwei Vorhaben stoßen bei Branchenvertretern und Fachleuten auf deutlichen Widerstand: die angedachte Wiedereinführung von Ausschreibungen bei lebenswichtigen Krebsmedikamenten (Zytostatika) sowie zusätzliche Vergütungsabschläge bei Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA).
Rückkehr zu Zytostatika-Ausschreibungen birgt Risiken für Krebspatienten
Ein zentraler Streitpunkt ist die geplante Rückkehr zu apothekenbezogenen Exklusivverträgen für Zytostatika-Zubereitungen. Diese individuellen Infusionslösungen zur Krebsbehandlung erfordern eine hochspezialisierte, zeitkritische und wohnortnahe Herstellung. Der Gesetzgeber hatte derartige Ausschreibungen im Jahr 2017 bewusst abgeschafft, um das bewährte Zusammenspiel zwischen onkologischen Arztpraxen und spezialisierten Apotheken vor Ort zu schützen und die freie Apothekenwahl zu gewährleisten.
Nach Einschätzung des Branchenverbandes Pharma Deutschland droht durch eine erneute Ausschreibungspraxis eine Marktkonzentration, die eingespielte Versorgungswege gefährden und Engpässe verschärfen könnte. Wenn Krankenkassen Versorgungsverträge exklusiv an einzelne Anbieter vergeben, steige das Risiko für Verzögerungen bei akuten Krebstherapien – ein Zustand, der für Patientinnen und Patienten nicht hinnehmbar sei.
Pauschale Kürzungen bremsen digitale Innovationen im Pflege- und Gesundheitsbereich
Neben der Onkologie stehen auch digitale Therapien im Visier der Sparpläne. Für sogenannte DiGA sollen zusätzliche Abschläge greifen, die an die Quote der Nutzungsabbrüche in den ersten Behandlungswochen gekoppelt sind. Kritiker warnen, dass eine starre Abbruchquote dem differenzierten medizinischen Nutzen nicht gerecht werde.
Digitale Anwendungen spielen eine wachsende Rolle bei der Unterstützung von chronisch Kranken und der Entlastung von Versorgungsstrukturen. Werden Entwicklern und Anbietern zusätzliche finanzielle Hürden auferlegt, könnte dies dringend benötigte Innovationen am Gesundheitsstandort ausbremsen.
Forderung nach nachhaltigen Strukturreformen statt kurzfristiger Sparlogik
Aus Sicht der Kritiker greifen die Vorschläge zu kurz und verlagern finanzielle Lasten einseitig auf Kosten der Versorgungsqualität. Eine zukunftsfähige Stabilisierung der GKV-Finanzen erfordere nachhaltige Strukturreformen, die Wirtschaftlichkeit mit Versorgungssicherheit in Einklang bringen, anstatt bewährte Strukturen in sensiblen Bereichen zu destabilisieren. Der Verband fordert die Politik daher auf, die entsprechenden Regelungen aus dem aktuellen Gesetzespaket zu streichen.
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