Pränataltests auf Kasse: Abgeordnete wehren sich gegen Leistungskürzungen für Schwangere

Dominik Hübenthal
NIPT-Debatte im Bundestag: Kassenleistung für Pränataltests soll bleiben

Im Deutschen Bundestag spitzt sich die Debatte um die Kostenübernahme nicht-invasiver Pränataltests (NIPT) weiter zu. Unmittelbar vor einer entscheidenden Abstimmung über die Einsetzung eines Monitoring-Gremiums hat sich eine neue, fraktionsübergreifende Initiative von Abgeordneten formiert. Ihr klares Ziel: Schwangere sollen auch künftig vollen Zugang zu den vorgeburtlichen Blutuntersuchungen über die gesetzlichen Krankenkassen behalten – ohne Abstriche oder Leistungskürzungen.

Vorstoß für den Erhalt des Versorgungsstandards

Mit einem gezielten Änderungsantrag fordern Politikerinnen und Politiker mehrerer Fraktionen, dass eine geplante wissenschaftliche Beobachtung der Testpraxis nicht als Hebel für Leistungskürzungen genutzt werden darf. Zwar sprechen sich auch die Antragstellenden für eine fundierte Evaluation durch ein interdisziplinäres Gremium aus, der bisherige Umfang der Kassenleistung müsse jedoch zwingend unangetastet bleiben.

Im Fokus des Vorstoßes steht vor allem die Stärkung der Beratungsqualität. Konkret fordern die Abgeordneten, die in den Mutterschafts-Richtlinien verankerten Kriterien für die ärztliche Aufklärung engmaschig zu überprüfen und weiterzuentwickeln. Schwangere Frauen und Paare bräuchten in dieser sensiblen Lebensphase eine verlässliche medizinische und psychosoziale Begleitung statt neuer finanzieller Hürden.

Hintergrund: Sorge vor dem Test als Routine-Screening

Die Diskussion über die Bluttests auf genetische Besonderheiten wie Trisomie 13, 18 und 21 (Down-Syndrom) schwelt seit der Aufnahme in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung im Juli 2022. Ursprünglich war die Übernahme nur für begründete Einzelfälle vorgesehen, in denen eine besondere Belastung oder ein erhöhtes Risiko vorliegt.

Krankenkassendaten zeigen jedoch, dass mittlerweile fast jede zweite Schwangere das Angebot wahrnimmt. Eine Gruppe von rund 100 Abgeordneten aus verschiedenen Lagern befürchtet deshalb, dass der Test zunehmend zu einer unreflektierten Routineuntersuchung geworden sein könnte. Ein nun zur Abstimmung stehendes Gremium soll bis Sommer 2027 die ethischen, medizinischen und rechtlichen Auswirkungen des Screenings untersuchen.

Rechtssicherheit und Schutz für werdende Mütter gefordert

Befürworter des uneingeschränkten Kassenzugangs betonen hingegen, dass die Bluttests werdenden Müttern invasive und risikoreiche Eingriffe wie Fruchtwasseruntersuchungen ersparen. Ein Ausschluss oder eine deutliche Verengung der Kostenübernahme würde insbesondere Frauen mit geringerem Einkommen benachteiligen und soziale Schieflagen in der Pränataldiagnostik schaffen. Die Entscheidung des Bundestages über das Monitoring und die genauen Leitplanken des Fachgremiums wird daher mit großer Spannung erwartet.

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