Wenn ältere Menschen über einen längeren Zeitraum Glukokortikoide – umgangssprachlich als Cortison bekannt – einnehmen müssen, steht meist die Linderung schwerer chronischer Erkrankungen im Vordergrund. Ob bei Rheuma, schwerem Asthma, der Lungenkrankheit COPD oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen: Cortison ist oft ein unverzichtbarer Lebensretter und Entzündungshemmer. Doch diese hochwirksame Medikation bringt, besonders im fortgeschrittenen Alter, erhebliche Nebenwirkungen mit sich, die den Alltag in den eigenen vier Wänden zu einem unkalkulierbaren Risiko machen können. Die beiden gefährlichsten Begleiterscheinungen sind die steroidinduzierte Osteoporose (Knochenschwund) und die Steroidmyopathie (Muskelschwäche). Beide Faktoren zusammen erhöhen die Sturzgefahr und das Risiko für schwere Knochenbrüche drastisch.
Als pflegende Angehörige oder Betroffene stehen Sie vor der Herausforderung, das häusliche Umfeld an diese veränderten körperlichen Bedingungen anzupassen. Ein Sturz, der bei einem gesunden Menschen vielleicht nur einen blauen Fleck hinterlässt, kann unter Cortison-Einfluss zu komplizierten Brüchen des Oberschenkelhalses, der Handgelenke oder der Wirbelkörper führen. In diesem umfassenden Ratgeber erfahren Sie detailliert, wie Cortison den Körper verändert, welche konkreten Gefahren im Haushalt lauern und mit welchen gezielten Wohnraumanpassungen, Hilfsmitteln und Pflegedienstleistungen Sie das Zuhause für Senioren absolut sicher machen können.
Um die richtigen Präventionsmaßnahmen ergreifen zu können, ist es essenziell zu verstehen, was im Körper eines älteren Menschen passiert, der dauerhaft Cortison einnimmt. Der menschliche Knochen ist kein totes Gewebe, sondern befindet sich in einem ständigen Umbauprozess. Sogenannte Osteoblasten bauen neue Knochensubstanz auf, während Osteoklasten alte Substanz abbauen. Cortison stört dieses empfindliche Gleichgewicht massiv. Es hemmt die knochenaufbauenden Zellen und fördert gleichzeitig den Knochenabbau. Zudem verringert das Medikament die Aufnahme von Calcium aus dem Darm und erhöht dessen Ausscheidung über die Nieren. Das Resultat ist eine rapide abnehmende Knochendichte. Die Knochen werden porös, spröde und verlieren ihre natürliche Elastizität. Mediziner sprechen hierbei von der steroidinduzierten Osteoporose.
Noch direkter auf das Sturzrisiko wirkt sich jedoch die sogenannte Steroidmyopathie aus. Cortison greift in den Eiweißstoffwechsel der Muskulatur ein und führt zu einem Abbau von Muskelmasse. Dies betrifft besonders die stammnahe Muskulatur, also die Oberschenkel, das Becken und die Schultern. Für Senioren bedeutet dies konkret: Das Aufstehen aus dem Sessel fällt plötzlich schwer, das Treppensteigen wird zur Kraftprobe und das Gangbild wird unsicherer. Die Beine fühlen sich "wie Gummi" an. Wenn ein Senior stolpert, fehlt der Muskulatur die nötige Schnellkraft, um den Körper abzufangen und den Sturz zu verhindern. Die Kombination aus schwachen Muskeln (die den Sturz nicht verhindern können) und brüchigen Knochen (die dem Aufprall nicht standhalten) ist eine hochgefährliche Mischung.
Neben Knochen und Muskeln beeinflusst Cortison auch andere Körperfunktionen, die für einen sicheren Gang unerlässlich sind. Eine längere Einnahme kann den Augeninnendruck erhöhen (Glaukom oder Grüner Star) oder zur Trübung der Linse führen (Katarakt oder Grauer Star). Ein verschlechtertes Sehvermögen macht es Senioren schwer, Kontraste auf dem Boden, Teppichkanten oder herumliegende Gegenstände rechtzeitig zu erkennen. Auch Schwindel oder ein schwankender Blutdruck können als Begleiterscheinungen der Grunderkrankung oder der Medikation auftreten. All diese Faktoren machen deutlich: Das Zuhause muss so gestaltet sein, dass es auch bei körperlichen Einschränkungen maximale Sicherheit bietet.
Die meisten Stürze von Senioren passieren nicht draußen auf der Straße, sondern in den eigenen vier Wänden – im Wohnzimmer, im Bad oder auf der Treppe. Wenn die Muskulatur durch Cortison geschwächt ist, reicht schon eine minimale Unebenheit, um das Gleichgewicht zu verlieren. Ein systematischer Rundgang durch die Wohnung ist der erste und wichtigste Schritt der Sturzprävention. Nehmen Sie sich Zeit, jeden Raum aus der Perspektive einer Person mit eingeschränkter Mobilität und Sehkraft zu betrachten.
Das Wohnzimmer ist der Mittelpunkt des häuslichen Lebens. Hier verbringen Senioren viel Zeit, hier muss die Sicherheit an erster Stelle stehen. Die häufigste und gleichzeitig am einfachsten zu beseitigende Gefahrenquelle sind lose Teppiche und Brücken. Für Menschen mit einer Steroidmyopathie, die ihre Füße beim Gehen oft nicht mehr hoch genug anheben können (Schlurfgang), wird jede Teppichkante zur akuten Gefahr.
Teppiche entfernen oder fixieren: Idealerweise sollten Sie auf lose Teppiche komplett verzichten. Ist dies nicht gewünscht, müssen alle Teppiche zwingend mit doppelseitigem Klebeband oder speziellen, rutschfesten Unterlagen flächendeckend am Boden fixiert werden. Achten Sie darauf, dass sich keine Ecken hochwölben.
Kabelmanagement: Herumliegende Strom-, Telefon- oder Fernsehkabel sind absolute No-Gos. Verlegen Sie Kabel professionell in Kabelkanälen direkt an der Fußleiste oder hinter Möbelstücken, sodass sie den Laufweg niemals kreuzen.
Sitzmöbel anpassen: Durch die Muskelschwäche in den Oberschenkeln wird das Aufstehen aus tiefen, weichen Sofas zur Qual und birgt die Gefahr, beim Schwungholen vornüber zu fallen. Sorgen Sie für Sitzmöbel mit einer festen Polsterung, einer erhöhten Sitzfläche (ca. 45 bis 50 Zentimeter) und stabilen Armlehnen, auf die sich der Senior beim Aufstehen sicher abstützen kann.
Optimale Beleuchtung: Ersetzen Sie schummrige Glühbirnen durch helle, blendfreie LED-Leuchten. Besonders wichtig ist eine gute Ausleuchtung der Laufwege. Bewegungsmelder im Flur und Wohnbereich können helfen, dass Senioren nachts nicht im Dunkeln nach dem Lichtschalter tasten müssen.
Nasse, rutschige Fliesen, harte Oberflächen und die Notwendigkeit, über hohe Ränder zu steigen, machen das Badezimmer zum unangefochtenen Spitzenreiter bei schweren häuslichen Unfällen. Für Cortison-Patienten mit porösen Knochen ist ein Sturz auf den harten Fliesenboden besonders fatal.
Beginnen Sie mit einfachen Maßnahmen: Rutschfeste Matten in der Dusche und Badewanne sind Pflicht. Diese müssen fest am Boden saugen und dürfen nicht verrutschen. Normale Badezimmervorleger sollten durch gummierte, rutschfeste Varianten ersetzt werden. Bringen Sie stabile Haltegriffe an strategisch wichtigen Punkten an: Neben der Toilette, in der Dusche und an der Badewanne. Achten Sie darauf, dass diese Griffe fest im Mauerwerk verschraubt sind – Saugnapf-Griffe bieten bei einem tatsächlichen Sturz oft nicht den nötigen Widerstand und können sich lösen.
Die Toilettensitzerhöhung: Ähnlich wie beim Sofa fällt das Aufstehen von einer tiefen Toilette schwer. Eine Toilettensitzerhöhung (meist um 10 bis 15 Zentimeter), idealerweise mit integrierten Armlehnen, entlastet die Knie- und Oberschenkelmuskulatur enorm und gibt Sicherheit bei jedem Toilettengang. Solche Erhöhungen können oft auf Rezept vom Arzt verordnet und von der Krankenkasse übernommen werden.
Viele Stürze ereignen sich nachts, wenn Senioren schlaftrunken und bei schlechter Beleuchtung den Weg zur Toilette suchen. Der Blutdruck ist im Liegen oft niedrig, beim plötzlichen Aufstehen kann Schwindel (orthostatische Hypotonie) auftreten. Hinzu kommt die durch Cortison bedingte Muskelschwäche.
Betthöhe optimieren: Ein Seniorenbett oder ein Pflegebett bietet die ideale Ausstiegshöhe. Wenn der Senior auf der Bettkante sitzt, sollten beide Füße flach und sicher auf dem Boden stehen, während die Knie einen 90-Grad-Winkel bilden.
Nachtbeleuchtung: Installieren Sie sensorgesteuerte Nachtlichter in den Steckdosen zwischen Bett und Badezimmer. Diese spenden sofort ein sanftes Licht, sobald der Senior die Füße aus dem Bett bewegt, ohne zu blenden.
Festes Schuhwerk: Sorgen Sie dafür, dass direkt neben dem Bett geschlossene Hausschuhe mit einer rutschfesten Gummisohle bereitstehen. Vermeiden Sie offene Pantoffeln (sogenannte "Schlappen"), da diese keinen Halt bieten und man leicht aus ihnen herausschlupft.
Telefon und Brille griffbereit: Auf dem Nachttisch sollten sich immer eine Lampe, das Telefon (oder der Hausnotruf-Sender) sowie die Brille in unmittelbarer Reichweite befinden.
Treppen sind für Menschen mit Steroidmyopathie eine enorme Barriere. Die Kraftanstrengung, das eigene Körpergewicht Stufe für Stufe nach oben zu drücken, übersteigt oft die Leistungsfähigkeit der Oberschenkelmuskulatur. Beim Hinabsteigen wiederum fehlt die Kraft, das Gewicht abzufedern, was zu unkontrollierten Tritten führt.
Sorgen Sie dafür, dass Treppen beidseitig mit stabilen Handläufen ausgestattet sind. Diese sollten über die erste und letzte Stufe hinausragen. Markieren Sie die Stufenkanten mit kontrastreichen, rutschfesten Klebestreifen, damit die Konturen auch bei schlechter Sehkraft gut erkennbar sind. Flure müssen frei von Hindernissen sein – keine abgestellten Schuhe, Schirmständer oder dekorativen Vasen im Laufweg. Auch hier gilt: Maximale Beleuchtung und keine losen Teppiche.
Ein barrierefreies Bad mit bodengleicher Dusche bietet maximale Sicherheit.
Die richtige Betthöhe und festes Schuhwerk verhindern nächtliche Stürze.
Wenn Wohnraumanpassungen allein nicht mehr ausreichen, um die Sicherheit zu gewährleisten, kommen professionelle Hilfsmittel ins Spiel. Diese technischen und mechanischen Helfer sind darauf ausgelegt, körperliche Defizite auszugleichen, die Autonomie zu erhalten und im Ernstfall Leben zu retten. Die Pflegekassen und Krankenkassen unterstützen die Anschaffung vieler dieser Hilfsmittel finanziell.
Trotz aller Präventionsmaßnahmen lässt sich das Sturzrisiko niemals auf null reduzieren. Wenn ein Senior mit durch Cortison geschwächten Knochen stürzt und sich beispielsweise den Oberschenkelhals bricht, ist schnelles Handeln überlebenswichtig. Das lange Liegen auf dem harten Boden (das sogenannte Lange-Liege-Syndrom) kann zu Unterkühlung, Druckgeschwüren, Dehydration und schweren psychischen Traumata führen. Ein Hausnotruf ist daher für alleinlebende Senioren mit erhöhtem Sturzrisiko absolut unverzichtbar.
Das System besteht aus einer Basisstation, die mit dem Telefonnetz verbunden ist, und einem kleinen, wasserdichten Funksender, der als Armband oder Halskette direkt am Körper getragen wird – auch unter der Dusche! Bei einem Sturz genügt ein Knopfdruck, um sofort eine Sprechverbindung zur 24-Stunden-Notrufzentrale aufzubauen. Die Mitarbeiter der Zentrale können die Situation einschätzen, beruhigend einwirken und sofort Angehörige, den Pflegedienst oder den Rettungsdienst alarmieren.
Zusätzliche Sicherheit durch Sturzsensoren: Besonders empfehlenswert für stark sturzgefährdete Personen sind moderne Hausnotrufsysteme mit integriertem Sturzsensor. Diese intelligenten Sensoren registrieren abrupte Höhenverluste und Erschütterungen. Wenn der Senior nach einem Sturz bewusstlos ist oder den Knopf nicht mehr selbst drücken kann, löst das Gerät automatisch den Alarm aus. Die Pflegekasse bezuschusst einen Standard-Hausnotruf bei Vorliegen eines Pflegegrades in der Regel mit 25,50 Euro monatlich, was die Grundgebühr fast vollständig abdeckt.
Wenn die tägliche Körperpflege zur akrobatischen und gefährlichen Herausforderung wird, ist ein Eingriff in die Bausubstanz oder die Anschaffung großer Hilfsmittel oft unumgänglich. Der Einstieg in eine klassische Badewanne erfordert das Stehen auf einem Bein auf rutschigem Untergrund – ein enormes Risiko bei Muskelschwäche.
Der Badewannenlift: Eine schnelle und ohne Umbaumaßnahmen realisierbare Lösung ist der Badewannenlift. Dieser wird in die Wanne gestellt und festgesaugt. Der Senior setzt sich auf den Sitz auf Höhe des Wannenrandes und wird dann per wasserdichter Handbedienung sanft und sicher auf den Wannenboden herabgelassen – und nach dem Baden wieder nach oben gefahren. Dies schont die Kräfte und eliminiert das Risiko des Ausrutschens beim Ein- und Aussteigen vollständig.
Barrierefreier Badumbau: Die nachhaltigste Lösung ist jedoch der Umbau zu einem barrierefreien Badezimmer. Das Konzept "Wanne zur Dusche" erfreut sich großer Beliebtheit. Dabei wird die alte, gefährliche Badewanne ausgebaut und an derselben Stelle eine großzügige, bodengleiche Dusche installiert. Ohne jegliche Einstiegskante kann der Senior die Dusche sicher betreten oder sogar mit einem Duschrollstuhl hineinfahren. Rutschhemmende Fliesen, ein fest installierter Duschklappsitz und strategisch platzierte Haltegriffe machen die Körperpflege wieder zu einem sicheren und entspannten Erlebnis. Ein solcher Umbau dauert durch spezialisierte Handwerker oft nur ein bis zwei Tage.
Wenn das Schlafzimmer oder das Bad nur über eine Treppe erreichbar ist, wird das eigene Haus für Senioren mit Steroidmyopathie schnell zum Gefängnis. Ein Umzug ins Erdgeschoss ist oft aus Platzgründen nicht möglich. Ein Treppenlift gibt hier die Bewegungsfreiheit im gesamten Haus zurück.
Ein Sitzlift wird auf einer Schiene montiert, die meist direkt auf den Treppenstufen befestigt wird. Der Senior setzt sich sicher in den Sessel, schnallt sich an und fährt per Knopfdruck bequem und sturzfrei in die nächste Etage. Moderne Treppenlifte lassen sich an nahezu jede Treppenform anpassen – ob gerade, kurvig, gewendelt oder über mehrere Stockwerke hinweg. Da ein Sturz auf der Treppe zu den fatalsten Unfällen im häuslichen Umfeld zählt, ist der Treppenlift eine der effektivsten Maßnahmen zur Unfallvermeidung überhaupt.
Die Sturzgefahr endet nicht an der Haustür. Die durch Cortison verursachte Muskelschwäche und der Abbau der Knochendichte machen auch Spaziergänge, Einkäufe oder Arztbesuche zu einem riskanten Unterfangen. Wenn Rollatoren nicht mehr ausreichen, um Sicherheit zu geben, droht die soziale Isolation.
Hier bieten Elektromobile (Seniorenmobile) und Elektrorollstühle die perfekte Lösung. Ein Elektromobil ist ideal für Senioren, die noch selbstständig ein- und aussteigen können, aber längere Strecken nicht mehr sicher zu Fuß bewältigen. Mit Geschwindigkeiten von meist 6 bis 15 km/h lassen sich Einkäufe erledigen und Ausflüge ins Grüne unternehmen. Der tiefe Schwerpunkt und vier Räder sorgen für absolute Kippsicherheit.
Für Senioren mit stärkeren Einschränkungen, die auch im Innenbereich auf Hilfe angewiesen sind, ist ein Elektrorollstuhl die bessere Wahl. Er lässt sich millimetergenau per Joystick steuern, wendet auf engstem Raum und bietet hervorragende ergonomische Sitzeigenschaften, die den Rücken stützen und Druckstellen vermeiden. Beide Hilfsmittel erhalten die Autonomie und verhindern Stürze im Außenbereich, wo unebene Gehwege, Bordsteinkanten oder rutschiges Laub zusätzliche Gefahren darstellen.
Ein oft übersehener Faktor bei der Sturzprävention ist das Gehör. Unser Gleichgewichtssinn sitzt im Innenohr, in direkter Nachbarschaft zum Hörorgan. Studien zeigen, dass ein unbehandelter Hörverlust das Sturzrisiko bei Senioren signifikant erhöht. Warum ist das so? Zum einen warnt uns das Gehör vor Gefahren im Raum (z.B. das Herannahen einer Person oder das Geräusch eines fallenden Gegenstandes). Zum anderen benötigt das Gehirn auditive Signale aus der Umgebung, um den Körper sicher im Raum zu orientieren.
Wenn Senioren schlecht hören, muss das Gehirn enorme kognitive Ressourcen aufwenden, um die fehlenden Informationen zu kompensieren. Diese Ressourcen fehlen dann für die Kontrolle von Gang und Balance. Die Anpassung von modernen, digitalen Hörgeräten durch einen Hörakustiker ist daher nicht nur eine Maßnahme für bessere Kommunikation, sondern ein aktiver und hochwirksamer Beitrag zur Sturzprävention im Alter.
Ein Hausnotruf am Handgelenk gibt Sicherheit in jedem Raum.
Mit einem Treppenlift überwinden Sie Stockwerke sicher und kraftschonend.
Technische Hilfsmittel und Wohnraumanpassungen bilden das Fundament eines sicheren Zuhauses. Doch bei stark fortgeschrittener Osteoporose und ausgeprägter Muskelschwäche durch jahrelange Cortison-Einnahme reicht die Technik allein oft nicht aus. Hier ist menschliche Unterstützung gefragt, um Stürze im Alltag proaktiv zu verhindern.
Ein ambulanter Pflegedienst übernimmt nicht nur medizinische Aufgaben (wie das Richten von Medikamenten oder Injektionen), sondern unterstützt entscheidend bei der Grundpflege. Das Duschen, Waschen und Anziehen sind Situationen, in denen Senioren besonders häufig das Gleichgewicht verlieren. Eine professionelle Pflegekraft weiß genau, wie sie den Senior stützen muss, nutzt rückenschonende Techniken und gibt dem Patienten die nötige physische und psychische Sicherheit.
Ergänzend dazu ist eine Alltagshilfe (Betreuungskraft) Gold wert. Alltagshilfen übernehmen die Aufgaben, die für sturzgefährdete Senioren zu riskant geworden sind: Das Putzen der Wohnung (Besonders das Wischen von Böden birgt extreme Rutschgefahr!), das Tragen schwerer Einkäufe, das Aufhängen von Gardinen oder das Glühbirnenwechseln auf einer wackeligen Leiter. Zudem begleiten sie den Senior bei Spaziergängen und bieten einen stützenden Arm, was die Angst vor dem Fallen massiv reduziert.
Wenn die Sturzgefahr so hoch ist, dass der Senior eigentlich keinen Schritt mehr unbeaufsichtigt machen sollte, stoßen punktuelle Besuche eines Pflegedienstes an ihre Grenzen. Die Angst der Angehörigen, den Senior nachts allein zu lassen, ist oft erdrückend. In solchen Fällen ist die 24-Stunden-Pflege (Betreuung in häuslicher Gemeinschaft) die sicherste Alternative zum Pflegeheim.
Bei diesem Modell zieht eine Betreuungskraft (häufig aus dem osteuropäischen Ausland) direkt in den Haushalt des Seniors ein. Sie ist zwar nicht 24 Stunden am Stück im Dienst, stellt aber eine ständige Präsenz im Haus dar. Die Betreuungskraft übernimmt die hauswirtschaftliche Versorgung, hilft bei der Grundpflege, bereitet Mahlzeiten zu und ist vor allem zur Stelle, wenn der Senior nachts auf die Toilette muss. Diese lückenlose Betreuung minimiert das Sturzrisiko drastisch und gibt sowohl dem Betroffenen als auch den Angehörigen die dringend benötigte Ruhe und Sicherheit zurück.
Der Dschungel aus Hilfsmitteln, Pflegediensten und Anträgen kann für Angehörige überwältigend sein. Eine professionelle Pflegeberatung (nach § 7a SGB XI) ist daher der ideale Startpunkt. Zertifizierte Pflegeberater kommen zu Ihnen nach Hause, analysieren die individuelle Wohnsituation, begutachten die Stolperfallen und erstellen einen maßgeschneiderten Versorgungsplan. Sie wissen genau, welche Hilfsmittel bei Cortison-bedingten Einschränkungen sinnvoll sind und helfen bei der oft komplexen Beantragung von Pflegegraden und Zuschüssen bei der Pflegekasse.
Der altersgerechte Umbau des Zuhauses und die Anschaffung von Hilfsmitteln sind mit Kosten verbunden. Doch der deutsche Gesetzgeber hat erkannt, dass Prävention günstiger ist als die Behandlung schwerer Knochenbrüche im Krankenhaus. Daher gibt es umfangreiche finanzielle Fördermöglichkeiten, die Sie unbedingt ausschöpfen sollten. Die Voraussetzung für die meisten Zuschüsse der Pflegekasse ist ein anerkannter Pflegegrad (Pflegegrad 1 bis 5).
Die wichtigste finanzielle Säule für den barrierefreien Umbau ist der Zuschuss für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen nach § 40 Abs. 4 SGB XI. Die Pflegekasse zahlt pro pflegebedürftiger Person im Haushalt bis zu 4.000 Euro für Maßnahmen, die die häusliche Pflege ermöglichen, erheblich erleichtern oder eine möglichst selbstständige Lebensführung wiederherstellen.
Dieser Zuschuss ist nicht an einen hohen Pflegegrad gebunden – bereits der Pflegegrad 1 reicht für die Antragstellung aus! Zu den typischen Maßnahmen, die mit diesen 4.000 Euro finanziert werden können, gehören:
Der barrierefreie Badumbau (z.B. Einbau einer bodengleichen Dusche).
Die Installation eines Treppenliftes.
Die Verbreiterung von Türen für Rollstühle.
Der Abbau von Türschwellen im gesamten Wohnbereich.
Die Festinstallation von Rampen im Eingangsbereich.
Wichtig: Leben zwei pflegebedürftige Personen in einem Haushalt (z.B. ein Ehepaar, beide mit Pflegegrad), kann sich der Zuschuss auf bis zu 8.000 Euro summieren. Leben mehr Pflegebedürftige zusammen, sind maximal 16.000 Euro pro Maßnahme möglich. Der Antrag muss zwingend vor Beginn der Umbaumaßnahmen bei der Pflegekasse gestellt und genehmigt werden.
Viele der genannten Hilfsmittel, wie der Badewannenlift, Toilettensitzerhöhungen, Rollatoren oder auch Elektrorollstühle, sind im offiziellen Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen gelistet. Wenn der behandelnde Arzt die medizinische Notwendigkeit (z.B. aufgrund von Steroidmyopathie und Sturzgefahr) bescheinigt und ein Rezept ausstellt, übernimmt die Krankenkasse in der Regel die Kosten. Der Versicherte muss lediglich die gesetzliche Zuzahlung (meist 10 Prozent, maximal 10 Euro pro Hilfsmittel) leisten.
Zusätzlich haben Personen mit einem Pflegegrad Anspruch auf Pflegehilfsmittel zum Verbrauch im Wert von bis zu 40 Euro monatlich. Darunter fallen Desinfektionsmittel, Einmalhandschuhe oder Betteinlagen. Diese Mittel helfen zwar nicht direkt gegen Stürze, entlasten aber das Budget für die Pflege zu Hause.
Wenn kein Pflegegrad vorliegt oder die 4.000 Euro der Pflegekasse nicht ausreichen, bietet die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) attraktive Förderprogramme. Über das Programm "Altersgerecht Umbauen" (Zuschuss 455-B) können private Bauherren und Mieter, unabhängig von ihrem Alter oder Gesundheitszustand, Zuschüsse für die Reduzierung von Barrieren beantragen. Die KfW fördert bis zu 10 Prozent der förderfähigen Investitionskosten, maximal 2.500 Euro für Einzelmaßnahmen (wie den Badumbau) oder bis zu 6.250 Euro, wenn das Haus den Standard "Altersgerechtes Haus" erreicht. Auch hier gilt: Anträge müssen vor Beginn der Bauarbeiten im KfW-Zuschussportal gestellt werden.
Weitere offizielle Informationen zu den Leistungen der Pflegeversicherung finden Sie auf der Webseite des Bundesgesundheitsministeriums.
Eine professionelle Pflegeberatung hilft bei Anträgen für wertvolle Zuschüsse.
Neben der Anpassung des Wohnraums und der Nutzung von Hilfsmitteln darf die Arbeit am eigenen Körper nicht vernachlässigt werden. Die negativen Effekte von Cortison auf Knochen und Muskeln können durch gezielte medizinische und therapeutische Maßnahmen abgemildert werden.
Jeder Patient, der über einen längeren Zeitraum Cortison (in einer Dosis von mehr als 5 mg Prednisolon-Äquivalent pro Tag) einnimmt, sollte ärztlich auf eine Osteoporose-Prophylaxe eingestellt werden. Die Basistherapie besteht fast immer aus der täglichen Gabe von Calcium (ca. 1000 mg) und Vitamin D3 (meist 800 bis 1000 Internationale Einheiten). Vitamin D ist essenziell, damit das Calcium überhaupt aus dem Darm ins Blut aufgenommen und in die Knochen eingebaut werden kann. Bei bereits bestehender Osteoporose oder sehr hohem Bruchrisiko verschreibt der Arzt zusätzlich spezifische Medikamente (wie Bisphosphonate), die den Knochenabbau aktiv stoppen.
Senioren sollten zudem regelmäßig (etwa alle ein bis zwei Jahre) eine Knochendichtemessung (DXA-Messung) durchführen lassen, um den Status der Knochen exakt zu überwachen und die Therapie bei Bedarf anzupassen.
Die Muskelatrophie (Steroidmyopathie) lässt sich nicht allein durch Medikamente aufhalten. Die wirksamste Waffe gegen den Muskelabbau ist gezieltes, medizinisches Kraft- und Balancetraining. Der Hausarzt kann hierfür Physiotherapie verschreiben. Ein erfahrener Physiotherapeut erarbeitet mit dem Senior ein Übungsprogramm, das speziell die stammnahe Muskulatur (Oberschenkel, Gesäß, Rumpf) stärkt. Schon leichte Widerstandsübungen, etwa mit Therabändern oder dem eigenen Körpergewicht, können die Kraft zum sicheren Aufstehen und Treppensteigen wiederherstellen.
Zusätzlich bieten viele Krankenkassen oder Sportvereine spezielles Sturzpräventionstraining für Senioren an. Hier wird nicht nur die Muskulatur gestärkt, sondern auch das Gleichgewicht geschult und das richtige Fallen geübt. Besonders wichtig ist in diesen Kursen auch das Erlernen von Techniken, wie man nach einem Sturz aus eigener Kraft wieder vom Boden aufstehen kann. Dies stärkt das Selbstvertrauen immens und bekämpft das Post-Fall-Syndrom – die lähmende Angst vor einem erneuten Sturz, die viele Senioren in die völlige Immobilität treibt.
Gezielte Physiotherapie stärkt die Muskulatur und verbessert das Gleichgewicht.
Um Ihnen die Umsetzung der genannten Maßnahmen zu erleichtern, haben wir die wichtigsten Punkte für ein sturzsicheres Zuhause bei Cortison-Therapie in einer kompakten Checkliste zusammengefasst. Gehen Sie diese Punkte gemeinsam mit dem betroffenen Senior durch:
Fußböden & Laufwege: Sind alle losen Teppiche entfernt oder mit doppelseitigem Klebeband rutschfest fixiert? Sind alle Kabel sicher an den Wänden verstaut? Sind Türschwellen beseitigt oder durch kleine Rampen entschärft?
Beleuchtung: Sind die Laufwege (besonders vom Bett zur Toilette) ausreichend hell und blendfrei beleuchtet? Sind Bewegungsmelder oder Nachtlichter installiert?
Badezimmer: Liegen rutschfeste Matten in Dusche und Wanne? Sind stabile Haltegriffe (geschraubt, nicht gesaugt) an Toilette, Waschbecken und Dusche vorhanden? Ist eine Toilettensitzerhöhung montiert? Wurde über einen Badewannenlift oder einen barrierefreien Umbau zur bodengleichen Dusche nachgedacht?
Möbel: Sind Bett und Sessel hoch genug, um ein leichtes Aufstehen ohne großen Kraftaufwand der Oberschenkel zu ermöglichen? Besitzen die Sitzmöbel stabile Armlehnen zum Abstützen?
Treppen: Gibt es beidseitige, stabile Handläufe? Sind die Stufenkanten gut sichtbar markiert? Reicht die Kraft noch für die Treppe oder ist ein Treppenlift erforderlich?
Notfallvorsorge: Trägt der Senior einen Hausnotruf (am besten mit Sturzsensor) direkt am Körper? Sind wichtige Telefonnummern groß und gut lesbar neben dem Telefon notiert?
Gesundheit & Mobilität: Werden Calcium und Vitamin D regelmäßig eingenommen? Trägt der Senior im Haus festes, geschlossenes Schuhwerk mit rutschfester Sohle? Sind Brille und Hörgeräte optimal eingestellt?
Finanzen & Organisation: Wurde ein Pflegegrad beantragt, um die 4.000 Euro Zuschuss für Wohnumfeldverbesserungen zu sichern? Wurde eine professionelle Pflegeberatung in Anspruch genommen?
Die dauerhafte Einnahme von Cortison ist für viele Senioren medizinisch unumgänglich, fordert jedoch einen hohen Tribut von Knochen und Muskulatur. Die Kombination aus steroidinduzierter Osteoporose und Steroidmyopathie macht den eigenen Körper anfällig und das gewohnte Zuhause zu einem potenziellen Gefahrenbereich. Ein einfacher Stolperer über eine Teppichkante kann fatale Folgen für die Gesundheit und die Selbstständigkeit haben.
Als pflegende Angehörige haben Sie es jedoch in der Hand, dieses Risiko durch vorausschauendes Handeln massiv zu minimieren. Ein kritischer Blick auf Stolperfallen, eine Optimierung der Beleuchtung und die Anpassung von Sitz- und Betthöhen sind die ersten essenziellen Schritte. Wo die baulichen Gegebenheiten oder die körperliche Schwäche Grenzen setzen, bieten moderne Hilfsmittel wie der Hausnotruf, Badewannenlifte, Treppenlifte oder Elektromobile zuverlässigen Schutz und erhalten die Mobilität. Zögern Sie nicht, bei fortgeschrittener Schwäche professionelle Unterstützung durch ambulante Pflegedienste, Alltagshilfen oder eine 24-Stunden-Pflege in Anspruch zu nehmen.
Die finanzielle Last müssen Sie dabei nicht allein tragen. Mit einem anerkannten Pflegegrad stehen Ihnen umfassende Budgets der Pflegekasse zur Verfügung – allen voran der Zuschuss von bis zu 4.000 Euro für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen wie den barrierefreien Badumbau. Auch die Krankenkassen und die KfW bieten wertvolle Förderungen an. Nutzen Sie eine professionelle Pflegeberatung, um Ihre individuellen Ansprüche geltend zu machen.
Ein sturzsicheres Zuhause schützt nicht nur vor schmerzhaften Knochenbrüchen, sondern nimmt dem Senior auch die ständige Angst vor dem Fallen. Es gibt ihm das Vertrauen in die eigene Umgebung zurück und ermöglicht ein selbstbestimmtes, würdevolles und sicheres Leben in den eigenen vier Wänden – trotz Cortison-Therapie.
Hier finden Sie die wichtigsten Antworten auf einen Blick.