Für Millionen von Senioren in Deutschland ist sie ein ständiger Begleiter: die Arthrose. Der altersbedingte Gelenkverschleiß, der besonders häufig Knie und Hüften betrifft, macht alltägliche Aufgaben oft zu einer schmerzhaften Herausforderung. Jeder Schritt auf der Treppe zieht im Knie, der Weg zum Supermarkt wird zur Kraftprobe, und das Tragen von Einkaufstaschen belastet die Gelenke zusätzlich. Doch auch wenn der erste Impuls bei Schmerzen oft Schonung lautet, ist genau das der falsche Weg. Um sicher mobil zu bleiben, ist gezielte und gelenkschonende Bewegung unerlässlich.
Bei einer Gonarthrose (Kniegelenksarthrose) oder Coxarthrose (Hüftgelenksarthrose) baut sich die schützende Knorpelschicht zwischen den Gelenkflächen zunehmend ab. Die Knochen reiben aneinander, was Entzündungen, Schwellungen und teils massive Schmerzen verursacht. Der Knorpel selbst wird jedoch nicht durch Blutgefäße, sondern durch die Gelenkflüssigkeit (Synovia) ernährt. Diese Nährstoffe gelangen nur durch einen ständigen Wechsel aus Be- und Entlastung – also durch Bewegung – wie bei einem Schwamm in den Knorpel. Wer sich aus Angst vor Schmerzen nicht mehr bewegt, beschleunigt den Knorpelabbau drastisch und gerät in einen gefährlichen Teufelskreis aus Schonhaltung, Muskelabbau und noch stärkeren Schmerzen.
In diesem umfassenden Ratgeber erfahren Sie detailliert, wie Sie als Seniorin oder Senior trotz Arthrose sicher Treppen steigen, Ihre Einkäufe schmerzarm erledigen und welche Hilfsmittel – vom richtig eingestellten Gehstock bis hin zum Treppenlift oder Elektromobil – Ihnen den Alltag erleichtern. Zudem beleuchten wir wichtige Aspekte der Pflegeberatung und finanzielle Zuschüsse, die Ihnen ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden ermöglichen.
Das Treppensteigen gehört zu den größten Hürden bei Knie- und Hüftarthrose. Beim Hinaufsteigen muss das Gelenk das gesamte Körpergewicht gegen die Schwerkraft nach oben drücken, beim Hinabsteigen wirken sogar Kräfte auf das Knie, die das Mehrfache des eigenen Körpergewichts betragen können. Mit der richtigen Technik lassen sich diese Belastungen jedoch erheblich reduzieren.
Um die Gelenke zu schonen, bringen Physiotherapeuten Arthrose-Patienten eine einfache, aber hochwirksame Merkregel bei: "Das gute Bein geht in den Himmel, das schlechte Bein geht in die Hölle." Diese Regel hilft Ihnen, sich bei jedem Schritt an die korrekte Reihenfolge zu erinnern.
So funktioniert das Treppensteigen nach oben:
Stellen Sie sich nah an die erste Stufe und halten Sie sich gut am Handlauf fest.
Setzen Sie zuerst Ihr gesundes (oder weniger schmerzhaftes) Bein auf die höhere Stufe.
Drücken Sie sich nun mit der Kraft des gesunden Beines und der Unterstützung Ihrer Arme am Handlauf nach oben.
Ziehen Sie das schmerzende Bein nach, sodass beide Füße auf derselben Stufe stehen (der sogenannte Nachstellschritt).
Wiederholen Sie diesen Vorgang Stufe für Stufe. Verzichten Sie auf das flüssige, wechselseitige Steigen, da dies das kranke Gelenk zu stark belastet.
So funktioniert das Treppensteigen nach unten:
Halten Sie sich sicher am Handlauf fest.
Setzen Sie beim Hinabsteigen zuerst das schmerzende Bein auf die untere Stufe.
Beugen Sie dabei das gesunde Bein, das noch oben steht. Das gesunde Bein übernimmt in dieser Phase die anstrengende Haltearbeit und fängt das Körpergewicht ab.
Ziehen Sie das gesunde Bein nach, bis wieder beide Füße auf einer Stufe stehen.
Diese Technik erfordert zunächst etwas Konzentration und Zeit, reduziert den Gelenkschmerz aber oft sofort und gibt Ihnen deutlich mehr Sicherheit und Stabilität auf der Treppe.
Neben der richtigen Technik ist die Umgebung entscheidend. Ein Sturz auf der Treppe hat im Alter oft gravierende Folgen. Sie können das Sturzrisiko durch einfache Anpassungen minimieren:
Beidseitige Handläufe: Oft gibt es nur auf einer Seite der Treppe ein Geländer. Ein zweiter Handlauf an der Wandseite bietet enorme Sicherheit, da Sie sich mit beiden Händen hochziehen oder abstützen können.
Ausreichende Beleuchtung: Installieren Sie helle, blendfreie LED-Lampen, idealerweise mit Bewegungsmeldern. So müssen Sie nicht im Dunkeln nach dem Lichtschalter suchen.
Antirutsch-Profile: Stufenkanten sollten mit rutschfesten Klebestreifen oder speziellen Profilen markiert werden. Das verhindert nicht nur das Abrutschen, sondern macht die Stufenkante auch optisch besser sichtbar.
Festes Schuhwerk: Tragen Sie im Haus niemals rutschige Socken oder lose Pantoffeln. Hausschuhe mit einer festen, rutschfesten Gummisohle und einer geschlossenen Ferse sind bei Arthrose Pflicht.
Sicher auf der Treppe: Beidseitige Handläufe geben Ihnen den nötigen Halt.
Wenn die Arthrose weit fortgeschritten ist und auch die beste Technik die Schmerzen nicht mehr lindern kann, wird die eigene Treppe oft zur unüberwindbaren Barriere. In solchen Fällen ist es wichtig, frühzeitig über technische Hilfsmittel nachzudenken, bevor man aus Angst vor der Treppe das eigene Zuhause nicht mehr verlässt.
Ein Treppenlift ist oft die effektivste Lösung, um die Mobilität im eigenen Haus zu erhalten. Er ist dann sinnvoll, wenn das Treppensteigen zu massiven Schmerzen führt, eine akute Sturzgefahr besteht oder wenn Herz-Kreislauf-Erkrankungen zusätzlich belasten. Moderne Sitzlifte können auf fast allen Treppenformen installiert werden – egal ob gerade, kurvig oder als Wendeltreppe.
Der Lift wird über eine Schiene geführt, die meist auf den Treppenstufen montiert wird. Sie setzen sich bequem in den Sessel, klappen die Armlehnen und die Fußstütze herunter und fahren per Knopfdruck sicher in das nächste Stockwerk. Für Rollstuhlfahrer gibt es zudem spezielle Plattformlifte, die den gesamten Rollstuhl transportieren können.
Die Anschaffung eines Treppenlifts ist mit Kosten verbunden, die je nach Treppenform zwischen 4.000 Euro und 15.000 Euro liegen können. Viele Senioren wissen jedoch nicht, dass sie Anspruch auf erhebliche finanzielle Unterstützung haben, sofern ein anerkannter Pflegegrad vorliegt.
Sobald Sie mindestens in Pflegegrad 1 eingestuft sind, können Sie bei der Pflegekasse einen Antrag auf Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen stellen. Dieser Zuschuss beträgt bis zu 4.000 Euro pro pflegebedürftiger Person im Haushalt. Leben zwei Pflegebedürftige (zum Beispiel ein Ehepaar) zusammen, kann der Zuschuss auf bis zu 8.000 Euro steigen. Wichtig ist, dass Sie den Antrag stellen und auf die Genehmigung warten, bevor Sie den Lift beauftragen oder einbauen lassen.
Weitere Informationen zu den Pflegeleistungen und dem Zuschuss für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen finden Sie auf der offiziellen Webseite des Bundesministeriums für Gesundheit.
Der wöchentliche Einkauf im Supermarkt erfordert langes Stehen, das Tragen schwerer Lasten und ständiges Bücken – eine Kombination, die für Arthrose-Gelenke pures Gift ist. Wer unvorbereitet einkaufen geht, riskiert oft tagelange Schmerzschübe. Mit der richtigen Strategie bleibt der Einkauf jedoch ein wichtiger Teil der Eigenständigkeit und sorgt für gesunde Alltagsbewegung.
Eine detaillierte Planung ist das A und O. Vermeiden Sie Spontankäufe, die Sie unnötig lange im Geschäft aufhalten. Schreiben Sie Ihre Einkaufsliste idealerweise in der Reihenfolge, in der die Waren im Supermarkt angeordnet sind. So vermeiden Sie unnötige Wege und ständiges Hin- und Herlaufen.
Wählen Sie den Zeitpunkt Ihres Einkaufs mit Bedacht. Gehen Sie nicht zu den Stoßzeiten (wie Freitagnachmittag oder Samstagvormittag) einkaufen. An ruhigen Vormittagen unter der Woche haben Sie mehr Platz in den Gängen, müssen an der Kasse nicht so lange stehen und können sich beim Einpacken Zeit lassen.
Das Tragen von Tüten in den Händen belastet nicht nur die Fingergelenke, sondern zieht auch die Schultern nach unten und staucht die Knie- und Hüftgelenke. Nutzen Sie stattdessen ergonomische Hilfsmittel:
Der Einkaufs-Trolley (Hackenporsche): Ein hochwertiger Einkaufstrolley mit großen, leichtgängigen Rädern nimmt Ihnen das gesamte Gewicht ab. Achten Sie auf ein Modell mit einem höhenverstellbaren Teleskopgriff, damit Sie beim Ziehen aufrecht gehen können. Es gibt sogar spezielle Treppensteiger-Trolleys mit drei rotierenden Rädern auf jeder Seite, die das Hochziehen über Bordsteinkanten und Treppenstufen enorm erleichtern.
Rucksäcke: Wenn Sie nur Kleinigkeiten einkaufen, ist ein gut sitzender Rucksack ideal. Er verteilt das Gewicht gleichmäßig auf beide Schultern und hält Ihre Hände frei, um beispielsweise einen Gehstock zu nutzen oder sich festzuhalten.
Rollatoren mit Einkaufskorb: Viele moderne Rollatoren sind mit geräumigen, abnehmbaren Taschen ausgestattet. Sie bieten den doppelten Vorteil: Sie stützen Sie beim Gehen und transportieren gleichzeitig Ihre Lebensmittel.
An Tagen, an denen die Gelenke besonders schmerzen (oft bei feuchtkaltem Wetter), sollten Sie sich nicht zum Einkaufen zwingen. Nutzen Sie die zahlreichen Alternativen, die heute zur Verfügung stehen.
Viele Supermärkte bieten mittlerweile bequeme Lieferservices an, die Ihnen Getränkekisten und schwere Lebensmittel direkt bis an die Wohnungstür (oder sogar bis in die Küche) bringen. Auch Getränkelieferdienste sind eine enorme Entlastung für Knie und Hüfte.
Zudem haben Sie ab Pflegegrad 1 Anspruch auf den sogenannten Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro monatlich. Dieses Geld können Sie für anerkannte Dienstleister nutzen, beispielsweise für eine Alltagshilfe oder eine Haushaltshilfe, die mit Ihnen gemeinsam einkaufen geht, Ihnen die schweren Taschen abnimmt und die Lebensmittel zu Hause in die Schränke räumt. Bei einem höheren Pflegebedarf kann auch eine professionelle Ambulante Pflege oder sogar eine 24-Stunden-Pflege organisiert werden, die das Einkaufen und Kochen komplett übernimmt.
Ein Einkaufstrolley entlastet die Gelenke und macht Ihren Einkauf zum Kinderspiel.
Mobilitätshilfen sind kein Zeichen von Schwäche, sondern intelligente Werkzeuge, um den Aktionsradius zu erhalten und Schmerzen zu reduzieren. Leider werden Gehstöcke und Rollatoren sehr oft falsch eingestellt oder fehlerhaft benutzt, was zu Verspannungen im Nacken und Rücken führen kann.
Ein Gehstock entlastet das schmerzende Bein bei jedem Schritt um bis zu 25 Prozent des Körpergewichts. Dies funktioniert jedoch nur, wenn er richtig eingesetzt wird.
Die richtige Höhe: Stellen Sie sich mit aufrechter Körperhaltung und flachen Schuhen hin. Lassen Sie die Arme locker hängen. Der Griff des Gehstocks sollte sich genau auf der Höhe Ihres Handgelenks (bzw. auf Höhe des großen Rollhügels, dem tastbaren Knochenvorsprung an der Außenseite der Hüfte) befinden. Wenn Sie den Griff umfassen, sollte Ihr Ellenbogen leicht (ca. 15 bis 20 Grad) gebeugt sein. Ist der Stock zu hoch, ziehen Sie die Schulter hoch; ist er zu niedrig, machen Sie einen krummen Rücken.
Die richtige Seite: Einer der häufigsten Fehler ist es, den Stock auf der Seite des schmerzenden Beines zu halten. Falsch! Der Gehstock muss immer in der Hand der gesunden (oder schmerzfreien) Seite gehalten werden. Wenn also Ihr rechtes Knie schmerzt, halten Sie den Stock in der linken Hand. Setzen Sie den Stock immer gleichzeitig mit dem schmerzenden Bein auf den Boden. So bilden Stock und krankes Bein eine breite Basis und das Gewicht wird auf den gesunden Arm umgeleitet.
Der Rollator ist die ideale Unterstützung für längere Strecken, da er nicht nur beim Gehen stützt, sondern auch als mobile Sitzgelegenheit für Pausen dient.
Die richtige Einstellung: Wie beim Gehstock müssen auch beim Rollator die Handgriffe auf Höhe der Handgelenke sein, wenn Sie aufrecht mit hängenden Armen stehen. Wenn Sie sich abstützen, sollten die Ellenbogen leicht angewinkelt bleiben.
Die richtige Haltung: Schieben Sie den Rollator nicht weit vor sich her, wie einen Einkaufswagen. Gehen Sie stattdessen im Rollator. Ihre Füße sollten sich zwischen den Hinterrädern befinden. Bleiben Sie aufrecht und schauen Sie nach vorne, nicht auf den Boden. Wenn Sie sich auf den Rollator setzen möchten, stellen Sie immer zuerst beide Bremsen fest.
Für den Einsatz im Freien empfehlen sich spezielle Outdoor-Rollatoren. Diese verfügen über größere Räder und eine weichere Bereifung (oft Luftreifen), die Stöße auf unebenen Gehwegen, Kopfsteinpflaster oder Waldwegen abfedern. Das schont die Gelenke der Arme und Schultern enorm.
Die richtige Einstellung des Gehstocks ist entscheidend für eine spürbare Gelenkentlastung.
Wenn die Gelenkzerstörung so weit fortgeschritten ist, dass auch ein Rollator nicht mehr ausreicht, um den Weg zum Supermarkt oder zum Arzt zu bewältigen, kommen motorisierte Hilfsmittel ins Spiel. Sie geben Senioren ein enormes Stück Lebensqualität und Unabhängigkeit zurück.
Ein Elektromobil (auch Senioren-Scooter genannt) ist ideal für Menschen, die noch selbstständig sitzen und lenken können, aber keine längeren Strecken mehr zu Fuß schaffen. Elektromobile gibt es in verschiedenen Ausführungen, meist mit Geschwindigkeiten von 6 km/h bis 15 km/h.
Für den Einkauf sind sie besonders praktisch, da sie oft mit Front- und Heckkörben ausgestattet werden können. Sie fahren mit dem Mobil direkt bis zum Supermarkt, parken dort oder fahren – sofern der Supermarkt breite Gänge hat und es erlaubt – sogar direkt durch das Geschäft. Die Bedienung ist denkbar einfach: Man beschleunigt über eine Wippe am Lenker. Sobald man die Wippe loslässt, bremst das Fahrzeug automatisch ab (Magnetbremse), was eine sehr hohe Sicherheit garantiert.
Ein Elektrorollstuhl wird über einen Joystick gesteuert und eignet sich für Senioren, die auch im Innenbereich stark eingeschränkt sind oder nicht mehr die Kraft haben, ein Elektromobil über eine Lenksäule zu steuern. Moderne Elektrorollstühle sind extrem wendig und können auf der Stelle drehen, was sie perfekt für enge Wohnungen oder kleine Supermarktgänge macht.
Sowohl Elektromobile (bis 6 km/h) als auch Elektrorollstühle sind anerkannte Hilfsmittel im Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Krankenversicherungen. Wenn Ihr Arzt Ihnen ein solches Gefährt aufgrund einer starken Gehbehinderung (z. B. durch schwere beidseitige Arthrose) verordnet, übernimmt die Krankenkasse in der Regel die Kosten für ein Standardmodell, abzüglich der gesetzlichen Zuzahlung von maximal 10 Euro. Wichtig ist, dass die medizinische Notwendigkeit detailliert auf dem Rezept begründet wird.
Wer mit Arthrose sicher leben möchte, sollte nicht nur die Treppe und den Einkauf im Blick haben. Das gesamte Wohnumfeld muss auf die veränderten körperlichen Bedürfnisse angepasst werden, um Stürze zu vermeiden und Schmerzen zu reduzieren. Eine professionelle Pflegeberatung kann hierbei helfen, individuelle Schwachstellen in der Wohnung aufzudecken.
Das Badezimmer ist der Ort mit dem höchsten Sturzrisiko. Nasse Fliesen, hohe Einstiege und fehlende Haltegriffe sind für Arthrose-Patienten gefährlich. Ein Barrierefreier Badumbau ist daher oft der erste Schritt zu mehr Sicherheit.
Wenn der Einstieg in die Badewanne nicht mehr möglich ist, gibt es zwei hervorragende Lösungen:
Der Badewannenlift: Dies ist die schnellste und kostengünstigste Lösung. Ein motorisierter Sitz wird in die Wanne gestellt. Sie setzen sich auf den Rand, rutschen auf den Sitz und lassen sich per wasserdichter Fernbedienung sanft auf den Wannenboden absenken und nach dem Baden wieder auf die Höhe des Wannenrandes anheben. Die Kosten werden bei ärztlicher Verordnung oft von der Krankenkasse übernommen.
Umbau Wanne zur Dusche: Wenn Sie lieber duschen, kann die alte, hohe Badewanne innerhalb von ein bis zwei Tagen durch eine großzügige, bodengleiche Dusche (Walk-in-Dusche) ersetzt werden. Auch hierfür kann der Zuschuss zur Wohnumfeldverbesserung in Höhe von bis zu 4.000 Euro (über die Pflegekasse) genutzt werden. Ein Duschklappsitz und stabile Haltegriffe machen die Körperpflege dann wieder sicher und schmerzfrei.
Die Angst vor einem Sturz – sei es auf der Treppe, im Bad oder nach dem Einkaufen – ist für viele Senioren ständiger Begleiter. Diese Unsicherheit führt oft zu einer noch stärkeren Schonhaltung. Ein Hausnotruf ist ein kleines, aber extrem wirkungsvolles Hilfsmittel, um diese Angst zu nehmen.
Das System besteht aus einer Basisstation und einem kleinen Funksender, den Sie als Armband oder Halskette tragen. Im Falle eines Sturzes oder eines plötzlichen Schmerzschubs drücken Sie einfach den Knopf, und es wird sofort eine Sprechverbindung zu einer 24-Stunden-Notrufzentrale hergestellt. Diese alarmiert je nach Situation Angehörige, Nachbarn oder den Rettungsdienst. Bei einem anerkannten Pflegegrad übernimmt die Pflegekasse in der Regel die monatlichen Kosten für das Basis-Hausnotrufsystem (aktuell 25,50 Euro).
Tipp: Für aktive Senioren, die auch beim Einkaufen oder Spazierengehen abgesichert sein möchten, gibt es mobile Notrufsysteme mit GPS-Ortung. So kann im Notfall metergenau festgestellt werden, wo Sie sich befinden.
Eine bodengleiche Dusche mit Haltegriffen minimiert das Sturzrisiko im Bad enorm.
Viele der genannten Hilfsmittel und Umbaumaßnahmen kosten Geld. Senioren und ihre Angehörigen sollten daher ihre gesetzlichen Ansprüche kennen und rechtzeitig geltend machen.
Arthrose ist eine chronische Erkrankung. Wenn die Einschränkungen so gravierend werden, dass Sie im Alltag regelmäßig Hilfe benötigen (z. B. bei der Körperpflege, beim Anziehen oder bei der Mobilität in der Wohnung), sollten Sie einen Pflegegrad beantragen. Rufen Sie dazu einfach bei Ihrer Pflegekasse (die bei Ihrer Krankenkasse angesiedelt ist) an und bitten Sie um das Antragsformular.
Anschließend wird der Medizinische Dienst (MD) zu Ihnen nach Hause kommen (oder ein telefonisches Gutachten durchführen), um Ihre Selbstständigkeit zu begutachten. Seien Sie bei diesem Termin ehrlich! Zeigen Sie, was Ihnen schwerfällt. Nehmen Sie keine Schmerzmittel kurz vor dem Termin, damit der Gutachter Ihre tatsächliche Situation beurteilen kann.
Es ist wichtig, die Zuständigkeiten zu unterscheiden:
Die Krankenkasse ist zuständig für medizinische Hilfsmittel, die eine Behinderung ausgleichen oder den Erfolg einer Heilbehandlung sichern. Dazu gehören Gehstöcke, Rollatoren, Hörgeräte, Badewannenlifte und Elektromobile. Hierfür benötigen Sie ein Rezept von Ihrem Arzt (Muster 16).
Die Pflegekasse ist zuständig für Maßnahmen, die die Pflege erleichtern oder eine selbstständigere Lebensführung ermöglichen. Dazu gehören der Zuschuss zum Treppenlift, der barrierefreie Badumbau, der Hausnotruf und das Pflegegeld sowie der Entlastungsbetrag für eine Alltagshilfe. Voraussetzung hierfür ist ein festgestellter Pflegegrad.
Auch wenn technische Hilfen und Zuschüsse den Alltag erleichtern, bleibt das wichtigste Fundament im Umgang mit Arthrose das eigene Körpermanagement. Die Hilfsmittel sollen die schmerzhaften Spitzenbelastungen (wie das Treppensteigen) abfangen, dürfen aber nicht dazu führen, dass Sie sich gar nicht mehr bewegen.
Suchen Sie sich Bewegungsformen, bei denen das Gelenk ohne hohe Stoßbelastung durchbewegt wird. Ideal sind:
Wassergymnastik und Schwimmen: Im Wasser trägt der Auftrieb einen Großteil Ihres Körpergewichts. Sie können Knie und Hüfte intensiv bewegen, ohne dass die Gelenkflächen stark aufeinandergepresst werden.
Fahrradfahren (oder Ergometer): Die fließende, runde Bewegung "ölt" das Gelenk und versorgt den Knorpel mit Nährstoffen. Der Sattel trägt das Körpergewicht. Achten Sie auf einen niedrigen Gang und eine hohe Trittfrequenz. Wenn das Aufsteigen auf ein normales Fahrrad schwerfällt, ist ein Tiefeinsteiger oder ein Heimtrainer (Ergometer) im Wohnzimmer die perfekte Wahl.
Lassen Sie sich regelmäßig Physiotherapie verschreiben. Ein Therapeut kann Ihnen gezielte Übungen zeigen, um die Muskulatur rund um das betroffene Gelenk aufzubauen. Ein starker Oberschenkelmuskel (Muskulus quadriceps) wirkt wie ein natürlicher Stoßdämpfer für das Kniegelenk.
Bei akuten Entzündungsschüben (das Gelenk ist heiß, rot und geschwollen) hilft oft Kälte (z. B. Quarkwickel oder Coolpacks aus dem Kühlschrank – nicht direkt aus dem Eisfach!). Bei chronischen, dumpfen Schmerzen ohne akute Entzündung wird Wärme (Kirschkernkissen, Infrarotlampe) meist als sehr wohltuend empfunden, da sie die verspannte Muskulatur lockert.
Wassergymnastik schont die Gelenke und stärkt gleichzeitig auf sanfte Weise Ihre Muskulatur.
Ein Leben mit Knie- oder Hüftarthrose erfordert Anpassungen, aber es bedeutet keinesfalls das Ende der eigenen Mobilität und Selbstständigkeit. Wenn Sie die richtigen Techniken anwenden, Ihr Zuhause klug anpassen und sich nicht scheuen, Hilfsmittel in Anspruch zu nehmen, können Sie weiterhin aktiv am Leben teilnehmen.
Habe ich die goldene Regel verinnerlicht? (Aufwärts: Gesundes Bein zuerst. Abwärts: Krankes Bein zuerst).
Nutze ich den Nachstellschritt, anstatt flüssig durchzugehen?
Sind beidseitige Handläufe im Treppenhaus montiert?
Ist die Treppe ausreichend beleuchtet und mit Antirutsch-Profilen versehen?
Trage ich festes, geschlossenes Schuhwerk?
Ist der Schmerz so stark, dass eine Beratung für einen Treppenlift sinnvoll wäre?
Habe ich meine Einkaufsliste nach der Anordnung im Supermarkt sortiert?
Gehe ich zu ruhigen Zeiten einkaufen, um Hektik zu vermeiden?
Nutze ich einen hochwertigen Einkaufstrolley oder Rollator mit Korb, statt Taschen zu tragen?
Habe ich schwere Artikel (Getränke, Konserven) über einen Lieferdienst bestellt?
Habe ich geprüft, ob ich über meinen Pflegegrad eine Alltagshilfe finanzieren kann, die mich beim Einkauf begleitet?
Ist mein Gehstock richtig eingestellt (Griff auf Höhe des Handgelenks) und nutze ich ihn auf der gesunden Seite?
Ist mein Rollator auf die richtige Höhe eingestellt und gehe ich im Rollator, nicht dahinter?
Habe ich bei meiner Pflegekasse einen Pflegegrad beantragt, um Zugang zu Leistungen wie dem Hausnotruf zu erhalten?
Habe ich mich über den Zuschuss von bis zu 4.000 Euro für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen (z.B. für einen Barrierefreien Badumbau) informiert?
Habe ich mit meinem Arzt über die Verordnung eines Elektromobils oder Badewannenlifts gesprochen?
Bleiben Sie mutig und fordern Sie die Unterstützung ein, die Ihnen zusteht. Jeder Schritt, den Sie schmerzarm oder schmerzfrei bewältigen, ist ein Gewinn für Ihre Lebensqualität, Ihre Unabhängigkeit und Ihre Gesundheit. Zögern Sie nicht, eine professionelle Pflegeberatung in Anspruch zu nehmen, um Ihren individuellen Bedarf exakt ermitteln zu lassen und alle Fördermöglichkeiten optimal auszuschöpfen.
Wichtige Antworten rund um den Alltag mit Arthrose