Wenn ein geliebter Mensch pflegebedürftig wird, ändert sich der Alltag für die gesamte Familie drastisch. Neben der Unterstützung bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität nimmt ein Bereich oft unbemerkt enorm viel Zeit und Verantwortung in Anspruch: die Medikamentengabe. Wer Angehörige täglich an die Einnahme von vielen Tabletten erinnert, Tropfen anreicht, Pflaster klebt oder Blutzucker misst, leistet eine hochgradig verantwortungsvolle und unverzichtbare Pflegearbeit.
Doch genau hier liegt eines der größten Probleme in der Praxis: Viele pflegende Angehörige betrachten das Sortieren von Tabletten oder das Erinnern an die Einnahme als reine Selbstverständlichkeit. Bei der Begutachtung durch den Medizinischen Dienst (MD) – ehemals MDK – oder durch Medicproof (für Privatversicherte) wird dieser immense Aufwand dann häufig verschwiegen oder stark heruntergespielt. Das Resultat? Wichtige Punkte für die Einstufung in einen angemessenen Pflegegrad gehen verloren, und die Familie erhält nicht die finanzielle und sachliche Unterstützung der Pflegekasse, die ihr gesetzlich zusteht.
In diesem umfassenden Ratgeber erfahren Sie als Pflegebedürftiger oder pflegender Angehöriger detailliert, wie der Hilfebedarf bei Medikamenten im Rahmen des Begutachtungsverfahrens gewertet wird. Wir zeigen Ihnen auf, wie Sie diese Leistungen im Pflegetagebuch lückenlos dokumentieren, welche typischen Stolperfallen Sie beim Gutachter-Termin unbedingt vermeiden sollten und wie Sie sich die entscheidenden Punkte für Ihren Pflegegrad sichern.
Um zu verstehen, wie Sie sich Punkte sichern können, müssen Sie zunächst wissen, wie der Gutachter des Medizinischen Dienstes arbeitet. Seit der großen Pflegereform wird die Pflegebedürftigkeit nicht mehr in Minuten gemessen, sondern anhand des Grades der Selbstständigkeit. Das dafür genutzte Instrument ist das Neue Begutachtungsassessment (NBA).
Das NBA unterteilt die Lebensbereiche des Antragstellers in sechs verschiedene Module. Die Medikamentengabe wird nicht bei der Grundpflege (Körperpflege, Essen, Trinken) erfasst, sondern in einem ganz spezifischen Bereich:
Das Modul 5 trägt den offiziellen Titel "Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen". Dieses Modul ist ein echtes Schwergewicht bei der Begutachtung, denn es fließt mit 20 Prozent in die Gesamtbewertung für den Pflegegrad ein.
In diesem Modul prüft der Gutachter ausschließlich, ob der Antragsteller in der Lage ist, ärztlich verordnete Maßnahmen selbstständig durchzuführen. Hierzu zählen unter anderem:
Die Einnahme von Medikamenten (Tabletten, Tropfen, Säfte)
Das Verabreichen von Injektionen (z. B. Insulin oder Heparin)
Die Versorgung mit medizinischen Salben, Cremes oder Augentropfen
Das Anlegen und Wechseln von wirkstoffhaltigen Pflastern (z. B. Schmerzpflaster)
Das Messen von Körperzuständen (Blutzuckermessung, Blutdruckmessung)
Der Umgang mit Inhalatoren bei Atemwegserkrankungen wie Asthma oder COPD
Wichtig zu wissen: Es geht in Modul 5 nicht darum, warum jemand ein Medikament braucht, sondern ausschließlich darum, ob die Person die ärztliche Verordnung ohne fremde Hilfe umsetzen kann. Sobald personelle Unterstützung, Anleitung oder Beaufsichtigung notwendig ist, gibt es Punkte.
Der Gutachter des Medizinischen Dienstes bewertet die Selbstständigkeit vor Ort.
Der Gutachter vergibt im Modul 5 Punkte basierend auf der Häufigkeit der benötigten Hilfe. Je öfter ein Angehöriger oder ein Pflegedienst eingreifen muss, desto mehr Punkte werden in diesem Modul gesammelt.
Die offiziellen Begutachtungs-Richtlinien (BRi) geben ein klares Raster vor, wie die Häufigkeit der Hilfeleistung bei der Medikation (oral, als Zäpfchen, als Augen- oder Ohrentropfen) bewertet wird:
Selbstständig: Die Person richtet und nimmt alle Medikamente allein ein. (0 Punkte)
Einmal täglich Hilfe erforderlich: Die Person benötigt mindestens einmal am Tag Hilfe (z. B. beim Richten der Morgentabletten). (1 Punkt)
Zwei- bis dreimal täglich Hilfe erforderlich: Die Person braucht morgens, mittags und/oder abends Unterstützung. (2 Punkte)
Mindestens viermal täglich Hilfe erforderlich: Ein sehr hoher Betreuungsaufwand, z. B. bei Parkinson-Patienten, die strikte, engmaschige Medikamentenpläne haben. (3 Punkte)
Ein Sonderfall ist die wöchentliche Hilfe. Wenn ein Angehöriger "nur" einmal pro Woche die Medikamentenbox (den Dispenser) für die gesamte Woche befüllt, der Pflegebedürftige die Tabletten dann aber selbstständig und fehlerfrei entnimmt und schluckt, wird dies als wöchentliche Hilfe gewertet. Auch dies bringt Punkte, fällt aber in der Gewichtung geringer aus als die tägliche Unterstützung.
In der Pflegesprache und bei der Begutachtung wird strikt zwischen zwei Vorgängen unterschieden, die beide relevant sind:
Das Richten der Medikamente: Dies umfasst das Bereitstellen der Arznei. Dazu gehört das Lesen des Medikationsplans, das Herausdrücken der Tabletten aus dem Blister (was bei Arthrose in den Händen oft unmöglich ist), das Teilen von Tabletten mit einem Tablettenteiler, das Abzählen von Tropfen in ein Glas Wasser oder das Aufziehen einer Spritze.
Das Verabreichen der Medikamente: Dies ist der eigentliche Akt der Einnahme. Braucht der Pflegebedürftige Hilfe dabei, das Glas zum Mund zu führen? Muss die Pflegeperson sicherstellen, dass die Tablette auch wirklich geschluckt und nicht ausgespuckt wurde? Müssen Augentropfen von einer zweiten Person ins Auge geträufelt werden?
Praxis-Tipp: Wenn Sie als Angehöriger die Tabletten richten und bei der Einnahme danebenstehen müssen (Beaufsichtigung), dokumentieren Sie beides! Oft wird das Richten einmal wöchentlich erledigt, die Beaufsichtigung der Einnahme findet jedoch dreimal täglich statt. Für den Gutachter zählt dann der höhere Aufwand: die dreimal tägliche Beaufsichtigung.
Das Richten der Medikamente ist oft eine große motorische Herausforderung.
Ein Bereich, der bei der Begutachtung extrem fehleranfällig ist, betrifft Menschen mit kognitiven Einschränkungen, insbesondere bei Alzheimer oder anderen Formen der Demenz.
Körperlich sind viele Demenzpatienten durchaus in der Lage, eine Tablette in den Mund zu stecken und ein Glas Wasser zu trinken. Würde der Gutachter nur die rein motorische Fähigkeit bewerten, gäbe es hier null Punkte. Das NBA ist hier jedoch glücklicherweise weiter gefasst.
Bei der Medikamentengabe zählt nicht nur die körperliche (motorische) Hilfe, sondern ausdrücklich auch die geistige (kognitive) Unterstützung. Wenn eine Person aufgrund von Demenz, Depressionen oder geistigen Behinderungen vergisst, ihre Medikamente zu nehmen, sie zur falschen Zeit nimmt oder die Dosierung verwechselt, gilt sie in diesem Bereich als unselbstständig.
Die Hilfeleistung besteht in diesen Fällen aus:
Erinnern: Der Angehörige muss anrufen oder persönlich sagen: "Mama, es ist Zeit für deine Herztablette."
Auffordern und Motivieren: Wenn der Pflegebedürftige die Einnahme verweigert (z. B. aus Misstrauen bei Demenz) und überredet werden muss.
Beaufsichtigen: Die Pflegeperson muss so lange im Raum bleiben, bis die Tablette nachweislich geschluckt wurde, da sonst die Gefahr besteht, dass sie versteckt oder weggeworfen wird.
Wenn Sie also dreimal täglich telefonisch an die Tabletteneinnahme erinnern müssen, weil Ihr Angehöriger dies sonst vergessen würde, ist dies eine dreimal tägliche Hilfeleistung im Sinne des Moduls 5 und muss dem Gutachter exakt so kommuniziert werden.
Hier kommen wir zu einem der größten und teuersten Irrtümer im Bereich der Pflegeversicherung. Es geht um die rechtliche Trennung zwischen den Leistungen der Krankenkasse (SGB V) und den Leistungen der Pflegekasse (SGB XI).
Wenn ein Arzt feststellt, dass ein Patient seine Medikamente nicht selbst richten oder einnehmen kann, kann er eine Verordnung für Häusliche Krankenpflege (HKP) ausstellen. In diesem Fall kommt ein ambulanter Pflegedienst nach Hause, richtet die Tabletten im Dispenser oder verabreicht Insulinspritzen. Die Kosten hierfür übernimmt die Krankenkasse. Dies nennt man Behandlungspflege.
Viele Angehörige denken: "Der Pflegedienst kommt jeden Tag und gibt die Medikamente. Das zahlt ja die Krankenkasse. Also darf ich das beim Gutachter der Pflegekasse nicht erwähnen, weil es ja schon abgedeckt ist."
Das ist grundfalsch!
Für die Feststellung des Pflegegrades (SGB XI) ist es völlig irrelevant, wer die Hilfe leistet oder wer sie aktuell bezahlt. Das NBA misst ausschließlich den objektiven Zustand der Unselbstständigkeit des Antragstellers. Wenn der Antragsteller seine Medikamente nicht selbst nehmen kann, bekommt er im Modul 5 die entsprechenden Punkte – ganz egal, ob die Tochter, der Ehemann oder ein professioneller Pflegedienst die Tabletten reicht.
Merksatz für die Begutachtung: Erwähnen Sie jede Hilfe bei Medikamenten, auch wenn diese bereits durch einen Pflegedienst auf Rezept (SGB V) erbracht wird. Diese Punkte stehen Ihnen für die Berechnung des Pflegegrades rechtmäßig zu!
Trotz bester Vorbereitung scheitern viele an kleinen Details während des Gutachter-Besuchs. Die Begutachtung ist eine Momentaufnahme, die oft nur 30 bis 60 Minuten dauert. In dieser kurzen Zeit muss der Gutachter ein vollständiges Bild der Situation erhalten. Vermeiden Sie zwingend diese typischen Fehler:
Wenn nach Medikamenten gefragt wird, denken die meisten sofort an die täglichen Blutdrucksenker oder die Schilddrüsentabletten. Was fast immer vergessen wird, ist die sogenannte Bedarfsmedikation. Das sind Medikamente, die nicht starr jeden Tag, sondern nur bei Bedarf genommen werden:
Schmerzmittel bei akuten Gelenkschmerzen (Arthrose)
Beruhigungsmittel bei Unruhezuständen
Schlaftabletten, die nur an schlechten Tagen genommen werden
Asthma-Sprays für akute Atemnot-Attacken
Notfall-Zäpfchen
Auch wenn diese Medikamente nur unregelmäßig genommen werden: Wenn der Pflegebedürftige nicht in der Lage ist, die Notwendigkeit selbst zu erkennen und das Medikament selbstständig einzunehmen, muss dies dem Gutachter mitgeteilt werden. Es erhöht den generellen Betreuungsaufwand.
Gerade ältere Menschen neigen dazu, sich vor Fremden (und ein Gutachter ist ein Fremder) von ihrer besten Seite zu zeigen. Man reißt sich zusammen, zieht sich schick an und behauptet: "Das mit den Tabletten schaffe ich noch ganz gut alleine."
Dieser falsche Stolz ist menschlich verständlich, aber für die Pflegegrad-Einstufung fatal. Der Gutachter muss das glauben, was er sieht und hört. Wenn der Antragsteller behauptet, er sei selbstständig, wird der Gutachter keine Punkte vergeben. Als Angehöriger müssen Sie hier respektvoll, aber bestimmt einschreiten und die Realität schildern: "Herr Gutachter, mein Vater meint das gut, aber in der Realität vergisst er die Tabletten jeden zweiten Tag, wenn ich ihn nicht anrufe."
Viele Handgriffe gehen Angehörigen so in Fleisch und Blut über, dass sie nicht mehr als Pflege wahrgenommen werden. Das Aufschrauben der schwergängigen Hustensaft-Flasche, das Halbieren der winzigen Herztablette, das Einreiben des schmerzenden Knies mit Voltaren-Salbe am Abend – all das ist therapiebedingte Hilfe. Erwähnen Sie jedes noch so kleine Detail.
Auch das Erinnern und Beaufsichtigen zählt als wichtige Pflegeleistung.
Der effektivste Weg, um dem Gutachter den tatsächlichen Aufwand zu beweisen, ist ein sorgfältig geführtes Pflegetagebuch. Sie sollten dieses Tagebuch idealerweise ein bis zwei Wochen vor dem Begutachtungstermin führen. Es dient dem Gutachter als wertvolle Informationsquelle und Ihnen als Spickzettel in der Aufregung des Termins.
Notieren Sie für jeden Tag und für jedes Medikament exakt, welche Art von Hilfe Sie leisten mussten. Eine gute Dokumentation zur Medikamentengabe beantwortet folgende Fragen:
Wann? (Uhrzeit der Medikamentengabe)
Was? (Name des Medikaments und Darreichungsform, z.B. Ramipril Tablette oder Novaminsulfon Tropfen)
Welche Hilfe? (Richten, Erinnern, Beaufsichtigen, Verabreichen)
Wie lange? (Der Zeitaufwand in Minuten – auch wenn die Pflegeversicherung heute nicht mehr primär nach Minuten rechnet, zeigt es dem Gutachter die Belastung auf)
Besonderheiten? (Z.B. "Mutter hat Tablette ausgespuckt, musste sie überreden", "Verschlucken beim Trinken", "Weigerung der Einnahme")
So könnte ein perfekter Eintrag für einen Vormittag aussehen:
07:30 Uhr: Blutzucker gemessen. Vater konnte Teststreifen nicht selbst in das Gerät einführen (Zittern der Hände/Parkinson). Dauer: 5 Minuten.
07:40 Uhr: Insulin gespritzt (Pen). Vater kann die Einheiten nicht mehr am Pen einstellen (Sehschwäche). Dauer: 3 Minuten.
08:00 Uhr: Morgendliche Tabletten aus dem Dispenser geholt. Vater an Einnahme erinnert. Daneben gestanden, bis alle 4 Tabletten geschluckt waren, da er sich oft verschluckt. Dauer: 10 Minuten.
11:00 Uhr: Vater klagt über starke Knieschmerzen. Bedarfsmedikation (Ibuprofen 600) aus dem Schrank geholt, aus Blister gedrückt und mit Glas Wasser angereicht. Dauer: 5 Minuten.
Wenn Sie ein solches Protokoll über zwei Wochen vorlegen, hat der Gutachter gar keine andere Wahl, als die volle Punktzahl für die tägliche, mehrfache Unterstützung im Modul 5 zu vergeben.
Ein detailliertes Pflegetagebuch ist Ihr bester Beweis für den Hilfebedarf.
Neben dem Pflegetagebuch gibt es ein weiteres, hochoffizielles Dokument, das bei keinem Gutachter-Termin fehlen darf: der Bundeseinheitliche Medikationsplan (BMP).
Seit Oktober 2016 haben gesetzlich krankenversicherte Patienten in Deutschland einen gesetzlichen Anspruch auf die Erstellung eines solchen Medikationsplans in Papierform, sofern sie mindestens drei verschreibungspflichtige Medikamente gleichzeitig und dauerhaft (über mindestens 28 Tage) einnehmen. Erstellt wird dieser Plan in der Regel vom Hausarzt, er kann aber auch von Fachärzten oder Apothekern aktualisiert werden.
Weitere Informationen zum rechtlichen Anspruch auf den BMP finden Sie auf den offiziellen Seiten des Bundesministeriums für Gesundheit.
Der Gutachter des MD ist medizinisch geschult (meistens Pflegefachkräfte oder Ärzte). Wenn Sie ihm den aktuellen BMP vorlegen, sieht er auf einen Blick:
Die exakte Anzahl der Medikamente.
Die Komplexität der Einnahme (morgens, mittags, abends, zur Nacht).
Besondere Hinweise (z. B. "nüchtern einnehmen", "nicht mit Milchprodukten", "vor dem Essen").
Je komplexer der Medikationsplan ist, desto glaubhafter ist es, dass ein älterer Mensch mit beginnender Demenz oder Sehschwäche hiermit überfordert ist. Ein BMP mit acht verschiedenen Medikamenten zu vier verschiedenen Tageszeiten ist ein starkes Indiz dafür, dass professionelle oder familiäre Hilfe beim Richten und Verabreichen zwingend notwendig ist.
Checkliste für den BMP vor der Begutachtung:
Ist der Plan aktuell? (Stimmen die Medikamente noch mit dem überein, was im Schrank steht?)
Sind auch rezeptfreie Medikamente (z. B. Magnesium, pflanzliche Schlafmittel) eingetragen, die der Arzt befürwortet?
Sind Salben, Pflaster, Injektionen und Augentropfen aufgeführt? (Oft werden nur Tabletten aufgeschrieben, was ein Fehler ist).
Die Organisation der Medikamentengabe und die Sicherstellung der Pflegebedürfnisse ist eine enorme Herausforderung. Wenn der Pflegegrad erst einmal bewilligt ist – idealerweise mit den wichtigen Punkten aus Modul 5 –, stehen Ihnen zahlreiche Leistungen der Pflegekasse zu. Wir von PflegeHelfer24 unterstützen Senioren und deren Angehörige in ganz Deutschland dabei, den Alltag sicher und komfortabel zu gestalten.
Viele Medikamente, insbesondere Blutdrucksenker, starke Schmerzmittel oder Psychopharmaka, haben Nebenwirkungen wie Schwindel, Benommenheit oder Kreislaufschwäche. Das Sturzrisiko nach der Einnahme solcher Präparate ist bei Senioren drastisch erhöht. Ein Hausnotruf von PflegeHelfer24 bietet hier entscheidende Sicherheit. Sollte es nach der Medikamenteneinnahme zu einem Schwindelanfall oder einem Sturz kommen, genügt ein Knopfdruck auf das Armband oder den Halsketten-Sender, um sofort Hilfe zu rufen. Die Kosten für den Basis-Hausnotruf werden bei Vorliegen eines Pflegegrades (bereits ab Pflegegrad 1) in der Regel komplett von der Pflegekasse übernommen.
Wenn die Medikamentengabe so komplex wird, dass Angehörige dies neben dem Beruf nicht mehr leisten können, ist professionelle Hilfe gefragt. PflegeHelfer24 berät Sie umfassend zu Ihren Möglichkeiten:
Ambulante Pflege: Wir vermitteln kompetente Pflegedienste in Ihrer Region, die im Rahmen der Häuslichen Krankenpflege (SGB V) das Richten der Medikamente, das Spritzen von Insulin oder das Anlegen von Kompressionsstrümpfen übernehmen.
24-Stunden-Pflege: Bei schweren Erkrankungen wie fortgeschrittener Demenz reicht ein kurzer Besuch des Pflegedienstes oft nicht aus. Hier bietet die 24-Stunden-Betreuung im eigenen Zuhause die optimale Lösung. Die Betreuungskraft lebt mit im Haushalt, strukturiert den Tagesablauf, erinnert zuverlässig an jede einzelne Tabletteneinnahme und sorgt dafür, dass ausreichend Flüssigkeit zum Herunterspülen der Medikamente getrunken wird.
Krankheiten, die eine umfangreiche Medikation erfordern (wie Herzinsuffizienz, schwere Arthrose oder neurologische Erkrankungen), gehen meist mit einer starken Einschränkung der Mobilität einher. Wenn das Treppensteigen zur Qual wird oder das eigenständige Waschen nicht mehr funktioniert, bietet PflegeHelfer24 die passenden Lösungen. Von der Beratung für einen Treppenlift über die Installation eines Badewannenlifts bis hin zum kompletten barrierefreien Badumbau (gefördert mit bis zu 4.000 Euro Zuschuss durch die Pflegekasse ab Pflegegrad 1) – wir stehen Ihnen als starker Partner zur Seite.
Erhalten Sie monatlich Einmalhandschuhe, Desinfektionsmittel und Bettschutzeinlagen im Wert von 40 € kostenlos von der Pflegekasse.
Pflegebox anfordern
Ein Hausnotruf bietet Sicherheit, falls Schwindel nach der Medikamenteneinnahme auftritt.
Es kommt in der Praxis leider häufig vor, dass das Gutachten des MD per Post eintrifft und Sie feststellen müssen: Im Modul 5 wurden bei der Medikamentengabe "0 Punkte (selbstständig)" angekreuzt, obwohl Sie täglich beim Richten und Einnehmen helfen. Dadurch wurde der angestrebte Pflegegrad (z. B. Pflegegrad 2 oder höher) knapp verfehlt.
In diesem Fall gilt: Ruhe bewahren und fristgerecht Widerspruch einlegen!
Sie haben nach Erhalt des Bescheides der Pflegekasse genau einen Monat Zeit, um Widerspruch einzulegen. Gehen Sie dabei wie folgt vor:
Legen Sie zunächst formlos Widerspruch ein, um die Frist zu wahren ("Hiermit lege ich fristgerecht Widerspruch gegen Ihren Bescheid vom [Datum] ein. Eine ausführliche Begründung reiche ich nach.").
Fordern Sie das vollständige MD-Gutachten an, falls es dem Bescheid nicht beilag.
Prüfen Sie das Gutachten Punkt für Punkt, insbesondere das Modul 5.
Schreiben Sie die Begründung: Verweisen Sie auf Ihren Bundeseinheitlichen Medikationsplan. Fügen Sie Kopien Ihres Pflegetagebuchs bei, aus denen hervorgeht, wie oft Sie tatsächlich bei der Medikamentengabe helfen (Richten, Erinnern, Verabreichen).
Bitten Sie den behandelnden Hausarzt um ein kurzes Attest, das bestätigt, dass der Patient aufgrund von kognitiven oder motorischen Einschränkungen (z. B. Demenz, Rheuma, Sehschwäche) nicht in der Lage ist, die Medikamente selbstständig einzunehmen.
Oft führt ein gut begründeter Widerspruch, der mit Fakten (Tagebuch, Medikationsplan, ärztliches Attest) untermauert ist, zu einer Aktenlage-Entscheidung zugunsten des Versicherten oder zu einer erneuten, genaueren Zweitbegutachtung.
Damit beim Gutachter-Termin nichts schiefgeht und Sie sich alle zustehenden Punkte im Modul 5 sichern, haben wir die wichtigsten Schritte für Sie in einer praktischen Checkliste zusammengefasst:
Pflegetagebuch führen: Mindestens 7 bis 14 Tage vor dem Termin genau dokumentieren, wann, wie oft und in welcher Form bei Medikamenten geholfen wurde (Richten, Erinnern, Beaufsichtigen, Geben).
Bundeseinheitlichen Medikationsplan (BMP) aktualisieren: Lassen Sie sich vom Hausarzt den neuesten Plan ausdrucken. Achten Sie darauf, dass auch Salben, Tropfen, Pflaster und Injektionen aufgeführt sind.
Bedarfsmedikation notieren: Schreiben Sie alle Medikamente auf, die nicht täglich, aber regelmäßig bei Bedarf gegeben werden (Schmerzmittel, Notfall-Sprays, Beruhigungsmittel).
Hilfsmittel bereitlegen: Zeigen Sie dem Gutachter Tablettenteiler, Wochendispenser (Pillenboxen), Blutzuckermessgeräte oder Inhalatoren, die im Einsatz sind.
Pflegedienst-Dokumentation bereithalten: Falls ein Pflegedienst (SGB V) die Medikamente richtet oder gibt, legen Sie die Leistungsnachweise des Pflegedienstes bereit. Betonen Sie, dass diese Hilfe zwingend notwendig ist.
Ehrlich sein: Sprechen Sie mit dem Pflegebedürftigen vorab über den "Vorzeigeeffekt". Klären Sie auf, dass es bei diesem Termin nicht darum geht, stark zu wirken, sondern den tatsächlichen Hilfebedarf schonungslos offenzulegen.
Kognitive Ausfälle betonen: Wenn der Hauptgrund für die Hilfe nicht körperlich ist (die Hände funktionieren noch), sondern geistig (Demenz, Vergesslichkeit), müssen Sie das Wort "Beaufsichtigung" und "ständiges Erinnern" aktiv gegenüber dem Gutachter verwenden.
Die Medikamentengabe ist ein zentraler Bestandteil der häuslichen Pflege und wird bei der Begutachtung für den Pflegegrad massiv unterschätzt. Im Neuen Begutachtungsassessment (NBA) wird dieser Bereich im Modul 5 (Bewältigung von krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen) erfasst, welches stolze 20 Prozent der Gesamtbewertung ausmacht.
Entscheidend für die Punktevergabe ist die Häufigkeit der Hilfeleistung. Egal ob Sie Tabletten aus dem Blister drücken, Augentropfen verabreichen, Blutzucker messen oder einen demenzkranken Angehörigen dreimal täglich an die Einnahme erinnern müssen – all dies ist bewertungsrelevante Pflegezeit. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass Leistungen, die bereits vom Pflegedienst über die Krankenkasse (SGB V) abgerechnet werden, bei der Pflegegrad-Begutachtung (SGB XI) nicht zählen. Das Gegenteil ist der Fall: Jede notwendige Hilfe zählt!
Bereiten Sie sich akribisch auf den Termin mit dem Medizinischen Dienst vor. Ein detailliertes Pflegetagebuch und ein aktueller Bundeseinheitlicher Medikationsplan (BMP) sind Ihre stärksten Argumente. Verhindern Sie den falschen Stolz des Pflegebedürftigen und dokumentieren Sie auch unregelmäßige Bedarfsmedikationen.
Sobald der Pflegegrad bewilligt ist, stehen Ihnen umfangreiche Leistungen zu. Wir von PflegeHelfer24 sind Ihr bundesweiter Ansprechpartner, um diese Leistungen sinnvoll für Sie einzusetzen – sei es durch die Vermittlung einer 24-Stunden-Pflege, die Installation eines lebensrettenden Hausnotrufs oder den barrierefreien Umbau Ihres Badezimmers. Sichern Sie sich die Punkte, die Ihnen zustehen, und damit die Unterstützung, die Sie für einen sicheren und würdevollen Pflegealltag benötigen.
Die wichtigsten Antworten rund um die Begutachtung durch den Medizinischen Dienst