Ein sicheres Zuhause ist für uns alle ein Grundbedürfnis. Doch wenn die Gelenke schmerzen, steif werden und die Beweglichkeit nachlässt, verwandeln sich die eigenen vier Wände schleichend in einen Hindernisparcours. Arthrose, der weltweite häufigste Gelenkverschleiß, betrifft in Deutschland Millionen von Menschen, insbesondere ab dem 65. Lebensjahr. Was oft als leichtes Ziehen im Knie oder in der Hüfte beginnt, entwickelt sich im Laufe der Zeit zu einem massiven Risikofaktor für Stürze im häuslichen Umfeld.
Um zu verstehen, warum das Sturzrisiko bei dieser Erkrankung so enorm ansteigt, müssen wir uns die physischen und biomechanischen Auswirkungen genauer ansehen. Bei einer Arthrose baut sich die schützende Knorpelschicht zwischen den Gelenkflächen kontinuierlich ab. Medizinisch spricht man hierbei von einem Knorpelverschleiß. Dieser Abbau führt dazu, dass im fortgeschrittenen Stadium Knochen auf Knochen reibt. Die Folgen sind gravierend: Es entstehen chronische Schmerzen, Entzündungen und eine spürbare Einsteifung der betroffenen Gelenke.
Besonders tückisch sind die sogenannte Gonarthrose (Kniegelenksarthrose) und die Coxarthrose (Hüftgelenksarthrose). Beide Gelenke sind maßgeblich für unsere Stabilität, unser Gleichgewicht und unsere Fortbewegung verantwortlich. Wenn das Knie bei jedem Schritt schmerzt oder die Hüfte die Rotationsbewegungen blockiert, verändert sich das gesamte Gangbild. Betroffene verfallen in eine Schonhaltung. Sie heben die Füße nicht mehr hoch genug an, der Gang wird schlurfend, und die Schrittlänge verkürzt sich drastisch. Genau dieser schlurfende Gang ist die Hauptursache dafür, dass selbst kleinste Unebenheiten – wie eine Teppichkante oder eine leichte Türschwelle – zu gefährlichen Stolperfallen werden.
Hinzu kommt ein fataler Teufelskreis: Aus Angst vor Schmerzen bewegen sich Menschen mit Arthrose oft weniger. Diese reduzierte Aktivität führt unweigerlich zu einem Abbau der stützenden Muskulatur (Sarkopenie). Je schwächer die Muskeln in den Beinen und im Rumpf werden, desto weniger Halt haben die ohnehin schon geschädigten Gelenke. Die Gelenkinstabilität nimmt zu, und das Knie kann im schlimmsten Fall plötzlich nachgeben – ein Phänomen, das Mediziner als Giving-Way-Attacke bezeichnen. Tritt ein solches Nachgeben des Knies unvorbereitet im Wohnzimmer oder auf der Treppe auf, ist ein Sturz kaum noch abzufangen.
Mit festen, geschlossenen Hausschuhen haben Sie einen sicheren Stand.
Neben den rein körperlichen Einschränkungen spielt die Psyche eine entscheidende Rolle beim Thema Sturzgefahr. Viele Senioren, die bereits einmal gestürzt sind oder beinahe gestürzt wären, entwickeln eine ausgeprägte Sturzangst. In der Geriatrie wird dieses Phänomen als Post-Fall-Syndrom bezeichnet. Diese tief sitzende Angst hat weitreichende Konsequenzen für den Alltag.
Wer Angst vor dem nächsten Sturz hat, bewegt sich noch vorsichtiger, noch verkrampfter und schränkt seinen Aktionsradius im Haus massiv ein. Manche Betroffene meiden sogar bestimmte Räume wie den Keller oder das Obergeschoss völlig. Diese ständige Anspannung führt zu einer unnatürlichen Körperhaltung, die paradoxerweise das Gleichgewicht weiter verschlechtert und das Sturzrisiko somit nicht senkt, sondern sogar erhöht. Die Verkrampfung der Muskulatur verstärkt zudem die Gelenkschmerzen, was wiederum zu noch weniger Bewegung führt. Es ist daher von größter Wichtigkeit, das Zuhause so sicher zu gestalten, dass diese Angst unbegründet wird. Ein objektiv sicheres Wohnumfeld stärkt das subjektive Sicherheitsgefühl und fördert eine entspanntere, natürlichere Bewegung im Alltag.
Die gute Nachricht ist: Sie sind der Arthrose und dem damit verbundenen Sturzrisiko nicht hilflos ausgeliefert. Mit einem systematischen Check Ihrer Wohnräume und gezielten Anpassungen können Sie bis zu 80 Prozent der typischen Gefahrenquellen im Haushalt eliminieren. Lassen Sie uns gemeinsam Raum für Raum durchgehen und prüfen, wo Handlungsbedarf besteht.
Der Flur ist die Verkehrsschlagader Ihres Zuhauses. Hier ziehen Sie sich an, empfangen Gäste und wechseln zwischen den Räumen. Gerade beim Betreten der Wohnung von draußen, wenn die Augen sich erst an die veränderten Lichtverhältnisse gewöhnen müssen, ist die Gefahr groß.
Optimale Ausleuchtung: Dunkle Ecken sind tabu. Installieren Sie helle, blendfreie LED-Leuchten. Besonders empfehlenswert sind Bewegungsmelder. Wenn Sie nachts den Flur betreten, um beispielsweise zur Toilette zu gehen, schaltet sich das Licht automatisch ein, ohne dass Sie erst im Dunkeln nach dem Schalter tasten müssen.
Sitzgelegenheit schaffen: Das An- und Ausziehen von Schuhen erfordert Balance und Beugung – beides ist bei Hüft- oder Kniearthrose extrem schmerzhaft und wackelig. Stellen Sie einen stabilen Stuhl mit Armlehnen in den Flur. Die Armlehnen sind wichtig, um sich beim Aufstehen hochdrücken zu können.
Schuhwerk überprüfen: Tragen Sie auch im Haus festes Schuhwerk. Ausgetretene Pantoffeln ohne Fersenkappe sind eine der häufigsten Sturzursachen. Wählen Sie geschlossene Hausschuhe mit einer rutschfesten Gummisohle und einem guten Fußbett, das die Gelenke dämpft.
Schmutzfangmatten sichern: Die Matte hinter der Haustür rutscht gerne weg. Fixieren Sie diese unbedingt mit doppelseitigem Teppichklebeband oder speziellen Anti-Rutsch-Gittern aus dem Fachhandel.
Das Wohnzimmer ist der Ort, an dem wir die meiste Zeit verbringen. Oft ist es über Jahre hinweg "gewachsen" – Möbel wurden hinzugefügt, Teppiche ausgelegt, Dekorationsgegenstände platziert. Für Menschen mit Arthrose kann diese Gemütlichkeit jedoch gefährlich werden.
Der Teppich-Check: Lose Teppiche, Brücken und Läufer sind der Feind Nummer eins bei einem schlurfenden Gang. Die hochstehende Kante eines Orientteppichs reicht aus, um einen schweren Sturz auszulösen. Die sicherste Lösung ist die komplette Entfernung loser Teppiche. Ist dies nicht gewünscht, müssen die Ränder zwingend mit speziellem Klebeband flach auf dem Boden fixiert werden. Achten Sie auch auf Fransen, in denen sich die Fußspitze oder die Räder eines Rollators verfangen können.
Kabelmanagement: Verlängerungskabel von Stehlampen, Fernsehern oder Telefonen dürfen niemals quer durch den Raum oder über Laufwege führen. Verlegen Sie Kabel konsequent an der Fußleiste entlang und fixieren Sie diese mit Kabelkanälen oder Nagelschellen.
Möbel als Stütze oder Hindernis: Betrachten Sie Ihre Möbelanordnung kritisch. Sind die Durchgänge breit genug? Ein Rollator benötigt eine Durchgangsbreite von mindestens 80 Zentimetern. Gleichzeitig stützen sich viele Senioren instinktiv an Möbelstücken ab. Sorgen Sie dafür, dass kleine Beistelltischchen oder leichte Regale, die bei Belastung umkippen könnten, aus den Laufwegen entfernt oder an der Wand festgeschraubt werden.
Die richtige Sitzhöhe: Ein tiefes, weiches Sofa mag bequem aussehen, ist aber bei Knie- oder Hüftarthrose eine Falle. Das Aufstehen aus einer tiefen Position erfordert immense Kraft in den Oberschenkeln und belastet die Gelenke maximal. Ein spezieller Seniorensessel mit einer erhöhten Sitzfläche, festen Armlehnen und idealerweise einer elektrischen Aufstehhilfe erleichtert den Alltag enorm und schont die Gelenke.
Die meisten Stürze ereignen sich nachts. Wenn die Blase drückt, man schlaftrunken aufsteht und die Gelenke nach der Ruhephase besonders steif sind (der sogenannte Anlaufschmerz bei Arthrose), ist höchste Vorsicht geboten.
Die Betteinstiegshöhe: Ähnlich wie beim Sofa gilt: Ein zu niedriges Bett ist gefährlich. Die ideale Betthöhe liegt vor, wenn Sie auf der Bettkante sitzen und Ihre Füße flach auf dem Boden stehen, während Knie und Hüfte einen Winkel von mindestens 90 Grad, besser noch etwas mehr (leicht abfallende Oberschenkel), bilden. Ein Pflegebett oder ein spezieller Betteinsatz kann hier Abhilfe schaffen.
Lichtquellen am Bett: Eine Taschenlampe oder der Lichtschalter für die Nachttischlampe muss vom Bett aus erreichbar sein, ohne dass Sie sich weit aus dem Bett lehnen müssen. Auch hier sind sensorgesteuerte Nachtlichter, die in die Steckdose gesteckt werden und den Boden sanft ausleuchten, eine hervorragende Investition.
Ordnung auf dem Nachttisch: Brille, Telefon, ein Glas Wasser und eventuell der Sender für den Hausnotruf müssen in direkter Griffweite liegen. Wer sich nachts strecken muss, um an die Brille zu kommen, riskiert, das Gleichgewicht zu verlieren und aus dem Bett zu fallen.
Kleidung und Bettdecke: Achten Sie darauf, dass keine langen Bettdecken oder Kleidungsstücke auf dem Boden liegen, in denen Sie sich mit den Füßen verheddern könnten, wenn Sie aufstehen.
In der Küche wird hantiert, getragen und oft steht man längere Zeit auf einer Stelle. All das belastet die von Arthrose betroffenen Gelenke stark.
Rutschgefahren minimieren: Wasserspritzer vor der Spüle oder Fettspritzer vor dem Herd machen Fliesenböden extrem glatt. Wischen Sie Flüssigkeiten sofort auf. Eine rutschfeste Matte vor der Spüle kann helfen, sollte aber an den Kanten abgeflacht sein, um nicht selbst zur Stolperfalle zu werden.
Alles in Greifnähe: Räumen Sie die Küche um. Tägliche Gebrauchsgegenstände wie Kaffeetassen, Teller, Töpfe und häufig genutzte Lebensmittel gehören in die Schränke auf Augen- und Hüfthöhe. Vermeiden Sie es unbedingt, auf Zehenspitzen stehen zu müssen oder gar auf einen Hocker zu steigen, um an obere Schränke zu gelangen. Das Bücken nach ganz unten ist bei Kniearthrose ebenso schmerzhaft und destabilisierend.
Sicherer Transport: Das Tragen von heißen Töpfen oder vollen Tellern zum Esstisch ist gefährlich, da Sie keine Hand frei haben, um sich im Notfall abzustützen. Ein stabiler Servierwagen oder ein Indoor-Rollator mit Tablett ist hier die perfekte Lösung. Sie haben Halt und können Gegenstände sicher transportieren.
Arbeiten im Sitzen: Langes Stehen am Herd oder beim Gemüseschneiden ist Gift für arthrotische Kniegelenke. Nutzen Sie einen ergonomischen Stehhilfe-Hocker oder erledigen Sie Vorbereitungsarbeiten im Sitzen am Küchentisch.
Das Badezimmer vereint auf engstem Raum harte Oberflächen, Nässe und Bewegungen, die viel Balance erfordern (wie das Einsteigen in die Wanne). Es ist statistisch gesehen der Raum mit den schwersten Sturzverletzungen. Hier sind professionelle Lösungen oft unumgänglich.
Rutschfeste Böden: Normale Badezimmerfliesen werden in Verbindung mit Wasser und Seife zur Eisbahn. Spezielle Anti-Rutsch-Beschichtungen, die nachträglich aufgetragen werden können, oder großflächige, rutschfeste Badematten (komplett gummiert) sind Pflicht.
Haltegriffe strategisch platzieren: Handtuchhalter sind keine Haltegriffe! Sie brechen aus der Wand, wenn Sie sich mit Ihrem vollen Körpergewicht daran festhalten. Lassen Sie professionelle, geriffelte Haltegriffe neben der Toilette, in der Dusche und an der Badewanne montieren. Kontrastreiche Farben (z.B. rot oder blau auf weißen Fliesen) helfen zudem bei nachlassender Sehkraft, die Griffe schnell zu finden.
Die Toilettensitzerhöhung: Genau wie beim Sofa ist eine niedrige Toilette eine enorme Belastung für Knie und Hüfte. Eine Toilettensitzerhöhung (oft mit integrierten Armlehnen) um 5 bis 10 Zentimeter macht das Hinsetzen und Aufstehen deutlich sicherer und schmerzfreier.
Sicherheit in der Dusche: Eine ebenerdige Dusche ist das Nonplusultra. Ist diese (noch) nicht vorhanden, sollte zumindest ein stabiler Duschhocker oder ein an der Wand montierter Klappsitz genutzt werden. So können Sie sich im Sitzen waschen, ohne das Gleichgewicht zu verlieren.
Wenn die Arthrose weit fortgeschritten ist, reichen kleine Anpassungen im Bad oft nicht mehr aus. Ein barrierefreier Badumbau ist dann der sicherste Weg, um die Körperpflege langfristig selbstständig und ohne Sturzangst zu bewältigen. Der Umbau von einer hohen Badewanne zu einer bodengleichen Dusche beseitigt die gefährlichste Hürde im Bad.
Möchten Sie Ihre Badewanne behalten, weil ein warmes Bad die schmerzenden Gelenke entspannt, ist ein Badewannenlift die ideale Lösung. Diese elektrischen Sitze werden in die Wanne gestellt. Sie setzen sich bequem auf den Randhöhe befindlichen Sitz, schwenken die Beine in die Wanne und lassen sich per Knopfdruck sanft ins Wasser gleiten. Das gefährliche Klettern über den glatten, hohen Wannenrand entfällt komplett.
Treppen stellen bei Arthrose eine massive physische und psychische Barriere dar. Das ständige Beugen und Strecken der Knie unter Belastung des gesamten Körpergewichts verursacht starke Schmerzen. Die Gefahr, auf einer Stufe wegzuknicken, ist allgegenwärtig.
Beidseitige Handläufe: Ein Handlauf ist gut, zwei sind besser. Ein beidseitiger Handlauf ermöglicht es Ihnen, sich mit beiden Armen hochzuziehen und das Gewicht gleichmäßig zu verteilen, was die Beine entlastet. Der Handlauf sollte griffig sein und etwa 30 Zentimeter über die erste und letzte Stufe hinausragen.
Stufenmarkierungen: Bei nachlassender Sehkraft und veränderter Tiefenwahrnehmung verschwimmen Treppenstufen oft zu einer homogenen Fläche. Markieren Sie die Stufenkanten mit stark kontrastierenden Klebestreifen. So sehen Sie genau, wo Sie den Fuß aufsetzen müssen.
Gute Beleuchtung: Die Treppe muss von oben bis unten schattenfrei ausgeleuchtet sein. Schalter sollten sich zwingend am Anfang und am Ende der Treppe befinden.
Wenn das Treppensteigen zur unüberwindbaren Qual wird oder die Sturzgefahr zu groß ist, ist ein Treppenlift die effektivste Maßnahme. Er transportiert Sie sicher, sitzend und ohne jegliche Gelenkbelastung von einer Etage in die nächste. Moderne Treppenlifte lassen sich auf nahezu jeder Treppe installieren – egal ob gerade, kurvig, steil oder schmal. Die Investition in einen Treppenlift bedeutet nicht nur den Ausschluss einer massiven Sturzgefahr, sondern oft auch den Erhalt des gesamten Wohnraums, da das Obergeschoss wieder problemlos nutzbar wird.
Eine ebenerdige Dusche mit Haltegriffen bietet maximale Sicherheit im Bad.
Eine Sitzbank im Flur erleichtert das tägliche und sichere Schuheanziehen.
Neben der Anpassung der Räumlichkeiten spielen persönliche Hilfsmittel eine zentrale Rolle bei der Sturzprävention. Sie kompensieren die durch die Arthrose entstandenen Defizite und geben Sicherheit zurück.
Schämen Sie sich nicht, Gehhilfen zu nutzen. Ein richtig eingestellter Gehstock auf der gesunden Seite (oder der weniger schmerzenden Seite) entlastet das arthrotische Gelenk erheblich und erweitert die Unterstützungsfläche. Für das Haus sind spezielle Wohnraum-Rollatoren ideal. Sie sind schmaler als Outdoor-Modelle, wendiger und verfügen über ein Tablett, um Dinge sicher von Raum zu Raum zu transportieren.
Wenn die Arthrose so weit fortgeschritten ist, dass auch kurze Strecken zur Qual werden, bieten Elektrorollstühle für den Innen- und Außenbereich sowie Elektromobile (Scooter) für Besorgungen außer Haus maximale Sicherheit. Sie verhindern Stürze durch Erschöpfung oder plötzliche Schmerzattacken und erhalten die soziale Teilhabe, die für die psychische Gesundheit so wichtig ist.
Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen lässt sich das Sturzrisiko nie auf null reduzieren. Die größte Gefahr bei einem Sturz ist nicht immer der Sturz selbst, sondern die Zeit danach, wenn Betroffene stundenlang hilflos auf dem Boden liegen. Hier rettet ein Hausnotruf Leben. Der kleine Sender wird als Armband oder Halskette getragen. Im Falle eines Sturzes genügt ein Knopfdruck, um sofort eine Sprechverbindung zur Notrufzentrale aufzubauen, die dann Angehörige oder den Rettungsdienst alarmiert. Für Menschen, die allein leben und an Arthrose leiden, ist ein Hausnotruf eine absolute Notwendigkeit.
Was haben die Ohren mit den Knien zu tun? Sehr viel! Das Gleichgewichtsorgan sitzt im Innenohr. Zudem hilft uns unser Gehör, uns im Raum zu orientieren (räumliches Hören). Wenn die Hörkraft nachlässt, muss das Gehirn mehr Energie aufwenden, um akustische Signale zu verarbeiten. Diese kognitive Auslastung fehlt dann bei der Steuerung der Motorik und Balance. Studien zeigen eindeutig, dass eine unversorgte Schwerhörigkeit das Sturzrisiko verdreifacht. Moderne Hörgeräte sind daher nicht nur für die Kommunikation wichtig, sondern ein hochwirksames Mittel zur Sturzprävention.
Ein Indoor-Rollator hilft beim sicheren Transport von Gegenständen zu Hause.
Die Anpassung des Wohnraums ist die passive Seite der Sturzprävention. Die aktive Seite betrifft Ihren eigenen Körper. Auch bei starker Arthrose gilt der Leitsatz: Wer rastet, der rostet.
Bewegung ohne Überlastung ist das Ziel. Durch gezielte Physiotherapie können Sie die Muskulatur rund um das erkrankte Gelenk stärken. Ein kräftiger Oberschenkelmuskel wirkt wie ein natürlicher Stoßdämpfer für das Kniegelenk. Zudem muss die Propriozeption (die Tiefensensibilität) trainiert werden. Das ist die Fähigkeit des Körpers, seine Position im Raum wahrzunehmen und auf kleine Gleichgewichtsverluste blitzschnell zu reagieren. Spezielle Senioren-Gymnastik, Wassergymnastik (da das Wasser die Gelenke entlastet) oder Tai-Chi haben sich als exzellente Methoden erwiesen, um Balance und Kraft aufzubauen und Stürzen aktiv entgegenzuwirken.
Viele Stürze passieren bei Tätigkeiten, die eigentlich vermieden werden sollten. Das Fensterputzen auf einer wackeligen Leiter, das Tragen des schweren Wäschekorbs in den Keller oder das Beziehen der Betten erfordern Kraft und Balance. Hier sollten Sie externe Hilfe in Anspruch nehmen.
Alltagshilfe: Betreuungskräfte können genau diese gefährlichen Aufgaben im Haushalt übernehmen. Sie gehen einkaufen, helfen im Haushalt und begleiten Sie bei Spaziergängen, was zusätzliche Sicherheit gibt.
Ambulante Pflege: Wenn die Körperpflege aufgrund der Arthrose nicht mehr sicher allein durchgeführt werden kann, unterstützt ein ambulanter Pflegedienst. Das Pflegepersonal kennt die richtigen Handgriffe, um Sie beim Duschen oder Anziehen sicher zu stützen.
24-Stunden-Pflege: Bei sehr schwerer Arthrose, Pflegebedürftigkeit und starker Einschränkung der Mobilität bietet eine 24-Stunden-Pflege die umfassendste Sicherheit. Eine Betreuungskraft wohnt mit im Haus und ist jederzeit zur Stelle, um Stürze zu verhindern und im Alltag zu assistieren.
Pflegeberatung: Nutzen Sie eine professionelle Pflegeberatung. Experten kommen zu Ihnen nach Hause, analysieren die individuelle Sturzgefahr und empfehlen passgenaue Hilfsmittel und Pflegeleistungen.
Die Beseitigung von Stolperfallen und der Einbau von Hilfsmitteln kosten Geld. Doch Sie müssen diese Kosten nicht allein tragen. Der Gesetzgeber sieht umfangreiche finanzielle Hilfen vor, um das Wohnumfeld sicher zu gestalten und Stürze zu vermeiden.
Die wichtigste Anlaufstelle ist die Pflegekasse. Sobald ein Pflegegrad vorliegt (bereits ab Pflegegrad 1), haben Sie Anspruch auf Zuschüsse für sogenannte wohnumfeldverbessernde Maßnahmen nach § 40 Abs. 4 SGB XI. Die Pflegekasse zahlt hierfür bis zu 4.000 Euro pro Person und Maßnahme. Leben mehrere Pflegebedürftige in einem Haushalt (z.B. ein Ehepaar), kann der Zuschuss auf bis zu 8.000 Euro, bei Wohngemeinschaften sogar auf bis zu 16.000 Euro steigen.
Zu den förderfähigen Maßnahmen gehören unter anderem:
Der Einbau eines Treppenliftes
Der barrierefreie Badumbau (z.B. der Einbau einer bodengleichen Dusche)
Die Verbreiterung von Türen für Rollatoren oder Elektrorollstühle
Der Abbau von Türschwellen
Die Festinstallation von Rampen
Wichtig: Der Antrag auf diesen Zuschuss muss zwingend vor Beginn der Umbaumaßnahmen bei der Pflegekasse gestellt und bewilligt werden. Reichen Sie dazu Kostenvoranschläge von Handwerkern ein.
Weitere offizielle Informationen zu den Leistungen der Pflegeversicherung und den Voraussetzungen für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen finden Sie direkt beim Bundesministerium für Gesundheit.
Neben der Pflegekasse bietet auch die KfW-Bank (Kreditanstalt für Wiederaufbau) Förderprogramme für den Abbau von Barrieren an (z.B. zinsgünstige Kredite). Hilfsmittel wie Badewannenlifte, Rollatoren, Toilettensitzerhöhungen oder Hausnotrufsysteme werden hingegen in der Regel auf ärztliches Rezept von der Krankenkasse oder Pflegekasse ganz oder teilweise übernommen, da sie im offiziellen Hilfsmittelverzeichnis gelistet sind.
Lassen Sie sich zu Zuschüssen der Pflegekasse ausführlich beraten.
Beginnen Sie noch heute damit, Ihr Zuhause sicherer zu machen. Nutzen Sie diese Checkliste für die ersten und wichtigsten Schritte:
Teppiche sichern: Entfernen Sie lose Läufer oder kleben Sie die Ränder mit doppelseitigem Klebeband fest.
Kabel verbannen: Räumen Sie alle Verlängerungskabel aus den Laufwegen.
Beleuchtung prüfen: Ersetzen Sie schwache Glühbirnen durch helle LED-Lampen und installieren Sie Nachtlichter mit Bewegungsmelder im Schlafzimmer und Flur.
Schuhwechsel: Entsorgen Sie offene Pantoffeln und tragen Sie im Haus geschlossene, rutschfeste Hausschuhe.
Badewanne und Dusche sichern: Legen Sie sofort rutschfeste Matten aus und beauftragen Sie die Montage von stabilen Haltegriffen.
Arztbesuch: Lassen Sie Ihre Augen und Ihr Gehör überprüfen, um sensorische Defizite auszugleichen.
Hausnotruf beantragen: Organisieren Sie sich ein Hausnotrufsystem für den Ernstfall.
Pflegegrad prüfen: Beantragen Sie einen Pflegegrad, falls noch nicht geschehen, um finanzielle Zuschüsse für Umbauten abzurufen.
Arthrose ist eine schmerzhafte Erkrankung, die das Leben stark beeinträchtigen kann. Die durch Schmerzen, Steifigkeit und Muskelschwund entstehende Sturzgefahr ist ein ernstzunehmendes Risiko, das jedoch durch vorausschauendes Handeln massiv reduziert werden kann. Ein sicheres Zuhause ist kein Zufall, sondern das Ergebnis bewusster Planung und Anpassung.
Indem Sie Stolperfallen wie Teppiche und Kabel entfernen, für ausreichend Licht sorgen und die Ergonomie Ihrer Möbel anpassen, legen Sie den Grundstein für einen sicheren Alltag. Technische Hilfsmittel wie Treppenlifte, Badewannenlifte und ein Hausnotruf bieten zusätzliche Sicherheit und erhalten Ihre Unabhängigkeit in den eigenen vier Wänden. Vergessen Sie nicht, die vielfältigen finanziellen Hilfen der Pflegekassen zu nutzen, um notwendige Umbauten wie einen barrierefreien Badumbau zu realisieren.
Kombinieren Sie diese räumlichen Anpassungen mit moderater, angepasster Bewegung zur Stärkung der Muskulatur und scheuen Sie sich nicht, Dienstleistungen wie Alltagshilfen oder ambulante Pflege in Anspruch zu nehmen, um gefährliche Tätigkeiten abzugeben. So minimieren Sie das Sturzrisiko effektiv, überwinden die Angst vor dem Fallen und können Ihr Zuhause trotz Arthrose wieder als das genießen, was es sein sollte: Ihr sicherer Rückzugsort.
Die wichtigsten Antworten auf einen Blick